Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie

hg. von Dr. Anton Holzer

Bücher, kurz vorgestellt

Erschienen in: Fotogeschichte 106, 2007

 

  • Enrica Viganó (Hg.) Neorealismo. Die neue Fotografie in Italien 1932–1960 – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, 1. September bis 18. November 2007 – Zürich: Christoph Merian Verlag, Basel, 2007 – 29,5 x 24 cm, 339 Seiten, 250 S/W Fotos, gebunden – 49,00 Euro, 78,00 CHF

Ausstellung und Buch stellen erstmals im deutschen Sprachraum den fotografischen Neorealismus vor: entlang von 75 Fotografen wird der Weg von seinen Anfängen in den 1930er Jahren bis in die späten 50er Jahre nachgezeichnet und ein Blick auf die Wechselwirkungen zwischen Fotografie, Film und Literatur geworfen. Wie bei Christoph Merian üblich: hervorragend gestaltet und gedruckt.

  • Eugène Atget. Retrospektive, hg. von den Berliner Festspielen und der Bibliothèque Nationale de France – Berlin: Nicolai Verlag, 2007 – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Martin Gropius-Bau Berlin, 28. September 2007 bis 14. Januar 2008 – 31 x 24 cm, 288 Seiten, 260 Abb. in Duoton, gebunden – 49,90 Euro

Ausstellung und Katalog erscheinen zum 150. Geburtstag des Fotografen. Sie stellen, erstmals gestützt auf den umfangreichen Atget-Nachlass in der Bibliothèque Nationale de France, einen breiten Überblick über das Werk des Pariser Fotografen. Sorgfältig gemachte Publikation mit (großteils) ausgezeichneten Texten zu Werk und Wirkung des Fotografen.

1988 wurde die gesamte Bevölkerung vom Grabserberg, einem Berghang im Schweizerischen Rheintal, von Giorgio von Arb fotografiert. Diese Porträts, mit Texten zu Land und Leuten von Hans Stricker, wurden als Fotoband herausgegeben. 20 Jahre später sind die Autoren zusammen mit Robert Kruker nochmals ans Werk gegangen. Ein aufwändig gestalter Fotoband.

  • Elke Grittmann: Das politische Bild. Fotojournalismus und Pressefotografie in Theorie und Empirie – Köln: Herbert von Halem Verlag, 2007 – 21,3 x 14 cm, 504 Seiten, 37 Abb. in S/W im Anhang, Grafiken, kartoniert – 32 Euro

Die Dissertation ist eine medien- und kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Pressefotografie. Umfangreiche, teilweise ausufernde, großteils referierende Zusammenstellung theoretischer und empirischer Ansätze. Aus fotohistorischer Sicht relativ unergiebig.

  • Roma & Sinti. Zigeuner-Darstellungen der Moderne, hg. von Gerhard Baumgartner und Tayfun Belgin – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Krems, 17. Juni bis 2. September 2007, mit Beiträgen von Gerhard Baumgartner, Tanja Pirsig-Marshall, Éva Kovacs und Péter Szuhay – 26 x 21 cm, 112 Seiten, 65 Abb. in Farbe und S/W, gebunden – 19 Euro

Katalog zu einer sehr guten Ausstellung über die Darstellungs- und Wahrnehmungsgeschichte der „Zigeuner“. Erstmals werden in dem Katalog auch zahlreiche, bisher unpublizierte Fotografien – vor allem aus ungarischen Archiven – gezeigt. Der Katalogbeitrag von Péter Szuhay „Zur Darstellung der Raoma und Sinti in der ‚Zigeunerfotografie’ des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist freilich recht dürftig geraten.

  • Harry Weber: Das Wien-Projekt, hg. von Berthold Ecker und Timm Starl – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum auf Abruf, Wien, 19. Oktober 2007 bis 16. Februar 2008 – Salzburg: Fotohof Edition, 2007 – 27 x 22,5 cm, 418 Seiten, 550 Abb. in Farbe, gebunden – 33 Euro

Harry Weber ist fünf Jahre lang durch die Strassen der Stadt Wien gegangen, hat Lokale besucht, in Geschäfte geblickt, sich auf eine Parkbank gesetzt und dem Treiben zugesehen. Interessiert haben ihn in erster Linie die Menschen, die jungen Frauen, immer wieder die Kinder, die Rituale in der jüdischen Gemeinde wie die Straßenarbeiter bei ihren nächtlichen Tätigkeiten, der Wirt hinter der Theke und die eiligen Passanten in der Innenstadt und an der Peripherie.

  • Brechungen. Willy Pragher: Rumänische Bildräume 1924-1944, hg. vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde und dem Landesarchiv Baden-Württemberg, bearbeitet von Kurt Hochstuhl und Josef Wolf – Ostfildern, Thorbecke Verlag, 2007 – 23,8 x 23,8 cm, 318 Seiten, zahlreiche Abb. in S/W, gebunden –24,90 Euro

Willy Pragher (1908-1992) war der Sohn eines aus Bukarest eingewanderten Chemieingenieurs. Zahlreiche Fotoreisen führten den Pressefotografen und Vertreter des „Neuen Sehens“ in den 20er und 30er Jahren nach Rumänien, von 1939 bis 1944 war er als Werbefotograf bei einer rumänischen Ölfirma tätig und arbeitete u.a für die NS-Illustrierte „Signal“. Sein Nachlass im Staatsarchiv Freiburg umfasst rund 12.000 Rumänienbilder.

  • Christian Wachter: Impressions d’AFRIQUE – Salzburg: Fotohof Edition, Bd. 68, 2007 – Mit Essays von Daniela Hölzl, Walter Seitter und Christian Wachter (dt./engl.)– 24,5 x 16,5 cm, 198 Seiten, 119 Abb. in Farbe und S/W, kartoniert – 29 Euro

Ein Reisebuch, ein Fotobuch, Afrika, Europa, hin und retour. Das Künstlerbuch von Christian Wachter zeigt Bilder aus Afrika und Europa (Videostills, Zeichnungen und klassische analoge Fotografien). Es hat, so führt Walter Seitter in seinem begleitenden Essay aus, eine fast hundertjährige Vorgeschichte: 1910 erschien Raymond Roussels Impressions d’Afrique. Die Bezugnahme ist, das zeigt sich beim Lesen und Schauen, nicht zufällig.

  • Christiane Kuhlmann: Richard Tepe: Photography of Nature in the Netherlands 1900-1940, Amsterdam: Rijksmuseum, Nieuw Amsterdam, 2007 – Rijksmuseum Studies in Photography, Vol. 1, hg. mit Unterstützung des Manfred & Hanna Heiting Funds von Mattie Boom, Ger Luijten und Hans Rooseboom – 26,5 x 21,5 cm, 61 Seiten, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, gebunden, Bestellung: www.nieuwamsterdam.nl

Mit diesem Band zu Richard Tepe 1864-1952, einem Protagonisten der niederländischen Naturfotografie, startet das Rijksmuseum Amsterdam, das seit 1994 eine Fotosammlung aufbaut, eine neue Publikationsreihe zur Fotogeschichte. Die ersten beiden Bände, die soeben erschienen sind, lassen eine qualitativ hochwertige Reihe erwarten. Die Bände sind ausgezeichnet gestaltet und inhaltlich sehr gut recherchiert.

  • Laetitia Dujardin: Ethnics and Trade: Photography and the Colonial Exhibitions in Amsterdam, Antwerp and Brussels – Amsterdam: Rijksmuseum, Nieuw Amsterdam, 2007 – Rijksmuseum Studies in Photography, Vol. 2, hg. mit Unterstützung des Manfred & Hanna Heiting Funds von Mattie Boom, Ger Luijten und Hans Rooseboom – 26,5 x 21,5 cm, 62 Seiten, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, gebunden, Bestellung: www.nieuwamsterdam.nl

1883 fand in Amsterdam die erste Kolonialausstellung statt. Weitere ähnliche Veranstaltungen folgten 1885, 1894 und 1897 in Antwerpen und Brüssel. Ausgehend vom Fotomaterial dieser Ausstellungen fragt die Autorin nach den politischen und gesellschaftlichen Gebrauchsweisen der Bilder im Kontext des Kolonialismus. Fundierte Studie.

  • Thomas Wiegand: nach: Studies in applied techniques of advanced photography, Berlin: ex pose Verlag, 2007 – 22 x 17,5 cm, 32 Seiten, 29 Abb. in Farbe, geheftet – 16 Euro

Die Titel der Bilder lauten: Becher, Eggleston, Schmidt, Weston, Gibson, Waplington, Blume, Friedlander etc. Das Buch handelt vom Zwang, als Fotokünstler stets originell und einzigartig sein zu müssen. Indem er seine Bilder an die Stelle der in der Fantasie aufgerufenen Vorlagen der berühmten Vor-Bilder setzt, legt Thomas Wiegand in diesem kleinen Werk eine augenzwinkernde Medienkritik vor.

  • Bern im Aufbruch. Das Völlger-Panorama von 1894, hg. von der Burgerbibliothek Bern – Bern: Stämpfli Verlag, 2007 – Konzept: Martin Mühlethaler, Bildauswahl und Text: Philipp Stämpfli – 22, 16 cm, 128 Seiten, Abb. in SW, gebunden, mit CD-Rom, 24,70 Euro, 39 CHF

Im Sommer 1864 nahm der Berner Fotograf Hermann Völlger vom soeben fertig gestellten Münsterturm ein Panorama der Stadt auf. 113 Jahre später entsteht aus dieser Vorlage in digitales Panorama, das um zahlreiche weitere Aufnahmen zur Stadt- und Alltagsgeschichte Berns ergänzt wird.

  • Rudolf Stumberger: Klassen-Bilder. Sozialdokumentarische Fotografie 1900-1945 – Konstanz: UVK Verlag, 2007 – 24 x 17 cm, 288 Seiten, 120 Abb. in S/W, Kartoniert – 29 Euro

Das Buch beschäftigt sich mit fünf großen sozialdokumentarischen Fotoprojekten des 20. Jahrhunderts: von den Anfängen bei Riis und Drawe über die Sozialfotografie Hines und die nordamerikanische New-Deal-Fotografie bis hin zur deutschen und sowjetischen Arbeiterfotografie. Breite, akademische Überblicksdarstellung, die die Bilder in den Anhang verbannt.

  • Hans Otte: Großglockner Hochalpenstraße. Fotografiert von 2000 bis 2006. Mit Texten von Werner Otte und Timm Starl – Salzburg: Fotohof Edition, 2007 – 24 x 30 cm, 124 Seiten, 100 Abb. in Farbe, gebunden mit Schutzumschlag – 35 Euro

Im August 1935 wird die Großglockner-Hochalpenstraße eröffnet, sie galt als Parade-Bauprojekt des österreichischen faschistischen Ständestaates. Sieben Jahrzehnte später beschäftigt sich der österreichische Fotograf Hans Otte noch einmal mit der künstlichen Schneise durch das Hochgebirge. Der Fotograf, registriert, was ist. „…kein mahnender Finger wird erhoben, um auf die Folgen der touristischen Erschließung hinzuweisen. Vielmehr stehen die Dinge wie selbstverständlich auf der Felswand, neben der Fahrbahn, vor dem Gletschereis. Sie drängen sich nicht vor, bleiben vereinzelt in der Landschaft, sie werden in Ruhe gelassen, sie sind einfach da.“ (Timm Starl).

  • Frances Guerin, Roger Hallas (Hg.): The Image and the Witness. Trauma, Memory and Visual Culture – London, New York: Wallflower Press, 2007 – 23, 3 x 15, 5 cm, 263 Seiten, Abb. in S/W, kartoniert – 16, 99 £ Paperback, 45 £ gebunden.

Der Band ist eine interdisziplinäre Anthologie zum Thema Zeugenschaft. Die Beiträge beleuchten aus dem Blickwinkel der visual studies Arbeiten u.a. von Chris Marker, Errol Morris, Derek Jarman, Doris Salcedo, Gerhard Richter und Boris Mikhailov.

  • Matthew S. Witkovsky: Foto: Modernity in Central Europe 1918-1945 – Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der National Gallery of Art, Washington, 10. Juni bis 3. September 2007, im Solomon R. Guggenheim Museum, New York, 12. Oktober 2007 bis 13 Januar 2008, im Milwaukee Art Museum, 9. Februar bis 4. Mai 2008 und in der Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh, 7. Juni bis 31. August 2008 – London: Thames & Hudson, 2007 – 28.7 x 24.4 cm, 278 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag – 32 £

Der Band bietet die erste Überblicksdarstellung zur Fotografie der Moderne im Mitteleuropa der Zwischenkriegszeit. Bewusst überschreitet der Autor und Kurator Matthew S. Witkovsky die Grenzen zwischen Ost und West und zeichnet damit ein neues, wenig bekanntes Bild des gesellschaftlichen und künstlerischen Austauschs zwischen Deutschland, Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich. Hervorragendes Buch, höchste Empfehlung!

  • Bilderstreit. Durchbruch der Moderne um 1930. Aus der Sammlung der Fotostiftung Schweiz und des Schweizerischen Werkbunds, hg. von Martin Gasser – Mit Beiträgen von Martin Gasser und Irma Noseda – 27 x 21 cm, 96 Seiten, 60 Abb. in Farbe, kartoniert – 24,00 Euro, 38,00 CHF

 

1932 organisierte der Schweizerische Werkbund eine Ausstellung mit namhaften Schweizer Fotografen, welche die „neue fotografie“ propagierten – ein Manifest gegen die traditionellen Bildauffassungen der so genannten Piktorialisten. Die vor kurzem wieder entdeckten Originale aus jener Ausstellung geben Anlass, den Bilderstreit von damals neu zu beleuchten.

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