Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie

hg. von Dr. Anton Holzer

Bernd Weise

Kontrollierte Fotodienste

Unterwerfung des Pressegewerbes im System der NS-Propaganda 1933–1945

Erschienen in: Fotogeschichte, Heft 147, 2018

 

Die Publizistikwissenschaft hat sich über Jahrzehnte nur sehr wenig mit den Agenturen und besonders mit den Bildagenturen als Zulieferer der Presse befasst, abgesehen von der sozialistischen Journalistik.[1] Nach den Arbeiten von Hansjoachim Höhne[2] in den 1970er Jahren ist das Thema erst in den 1990er Jahren u.a. von Jürgen Wilke und Bernhard Rosenberger[3] wieder angegangen worden, allerdings nur für den Bereich der Nachrichtenagenturen sowie der Korrespondenzen bzw. Depeschendienste,[4] nicht jedoch für die Pressebildagenturen. Diese sind bisher nahezu vollständig durch das Forschungsraster gefallen.[5] Selbst eine so naheliegende geschichtswissenschaftliche Arbeit über die „Nachrichtenagenturen im Nationalsozialismus“[6] enthält nur wenige Zeilen über die Bilderdienste des »Deutschen Nachrichtenbüros« (DNB) und der »Transocean« (TO). Auch die fotogeschichtliche Bearbeitung des Bildagenturbetriebs in der NS-Zeit hat bisher kaum stattgefunden bzw. hat das Thema nur gestreift,[7] obwohl dieser ein wesentlicher Verbreitungsweg von Fotos an die verschiedenen Publikationen und ein ebenso wichtiges Organisationselement der NS-Bildpropaganda war. Die Nazi-Pressepolitik beendete die erst kurze Geschichte einer demokratischen Presse in Deutschland – zunächst nicht etwa primär durch Zensur, sondern durch das Entfernen von Personen aus dem Journalismus, im Wesentlichen mit rassistischer Diffamierung begründet, sowie durch Lenkung der Bildproduktion[8] und Bildverbreitung. Die Vorbereitungen zur Einflussnahme auf die Arbeit der Pressefotografie hatten schon Ende 1932 begonnen.

So hatte Goebbels Ende 1932 Fotografen und Fotoagenturen zu einer Versammlung eingeladen, um zu eruieren, wer die Personen in der Pressefotografie waren und wie sie unter die Kontrolle der NSDAP gebracht werden könnten. Die Schilderungen von Rolf Peter Petersen, der für die »Dephot« tätig war, besagen, dass er im Herbst 1932 brieflich eine persönliche Einladung zu einer von Goebbels initiierten Versammlung bekam, an der dann 12 bis 15 Personen teilnahmen, u.a. Erich Stenger und Erna Lendvai-Dircksen. Das Einleitungsreferat hielt Heiner Kurzbein, der 1933 Leiter des »Referats Bildpresse« im Propagandaministerium wurde.[9] Vergleichsweise war die Versammlung nur ein kleiner Kreis, denn Petersen hatte noch vor der Machtübernahme versucht, eine »Interessengemeinschaft der Bildberichterstatter« zu gründen und dafür einen Aufruf an etwa 50 „Bildjournalisten der besseren Klasse“[10] verbreitet. Die Gemeinschaft hat außer wohlwollenden Bekundungen allerdings keine Aktivität entwickelt und ist auch nie durch Eintragung in das Vereinsregister institutionalisiert worden. Die Namenslisten sind hingegen den Nationalsozialisten bei der Schließung des Dephot-Büros im November 1933 in die Hände gefallen.[11]

 

Hinweis:

Dies ist der Beginn des umfangreichen, 18-seitigen Beitrags von Bernd Weise über die Geschichte der Fotoagenturen im Nationalsozialismus. Den gesamten Beitrag lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Fotogeschichte. Bestellung: www.fotogeschichte.info


[1] Vgl. Heinz Frotscher: Entwicklung und Wirken deutscher Bildagenturen - optische Informationsgebung für und wider die Interessen der Nation, in: Heinz Frotscher: Das journalistische Foto, Wesen, Funktion, Wirkelemente Teil I, Berlin/Brandenburg 1968, S. 7-58.

[2] Vgl. Hansjoachim Höhne: Report über Nachrichtenagenturen, Baden-Baden, Band 1 1976, Band 2 1977 und zweite erweiterte Auflage 1984.

[3] Vgl. Jürgen Wilke, Bernhard Rosenberger: Die Nachrichten-Macher. Eine Untersuchung zu Strukturen und Arbeitsweisen von Nachrichtenagenturen am Beispiel von AP und dpa, Köln 1991, hier: Nachrichtenagenturen in der Forschung, S. 17-20.

[4] Zum Forschungsstand vgl. Einführung in: André Uzulis: Nachrichtenagenturen im Nationalsozialismus, Frankfurt/M. 1995, S. 15-23.

[5] Der Aufsatz aus dem Forschungsprojekt »Zeitungskorrespondenzen im deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik« (IfKMW Universität Leipzig) von Arnulf Kutsch, Robert Fröhlich u. Friederike Sterling: Bilderdienste in der Weimarer Republik. Zur Struktur der Lieferanten und Wegbereiter der Zeitungsillustration, in: Katja Leiskau, Patrick Rössler, Susann Trabert (Hg.): Deutsche illustrierte Presse - Journalismus und visuelle Kultur in der Weimarer Republik, Baden-Baden 2016, S. 93-123, liefert für die Bilderdienste keinen Erkenntnisgewinn, sondern eher ungenaue Angaben.

[6] Vgl. Uzulis, (Anm. 4), S. 202 und 221.

[7] Diethart Kerbs konnte 1983 die Gleichschaltung der Bildagenturen erst ansatzweise beschreiben, vgl. ders.: Die Epoche der Bildagenturen - Zur Geschichte der Pressefotografie in Berlin von 1900 bis 1933, in: Diethart Kerbs, Walter Uka, Brigitte Wals-Richter, Die Gleichschaltung der Bilder - Zur Geschichte der Pressefotografie 1930-1936, Berlin 1983, S.32-73, hier 68-69. Rolf Sachsse widmet den Bildagenturen in seiner umfangreichen Untersuchung der Fotografie im nationalsozialistischen Deutschland nur kurze Absätze, in: ders.: Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat, Dresden 2003, S. 114-115 und 196.

[8] Vgl. Klaus Hesse: Gelenkte Bilder. Propagandistische Sichtweisen und fotografische Inszenierung der Reichshauptstadt, in: Michael Wildt, Christoph Kreutzmüller (Hg.): Berlin 1933–1945, München 2013, S. 279-293.

[9] Vgl. Rolf Peter Petersen: Das Ende der ‘Dephot‘, in: Kerbs (Anm. 7), S. 183-190, hier S. 186-188.

[10] Ebenda, S. 187-188.

[11] Vgl. ebenda, S. 187.

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