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Oswald Lübeck: Hochseepassagierdampfer "Vaterland" am Kai, vermutlich Hamburg, 1913/1914, 18 : 24 cm (Deutsche Fotothek Dresden, SLUB/DF: Lb 742)

Ulrike Keppler

Wahrnehmung der Fremde – Konstruktion des Selbst: Studien zur Bordfotografie von Oswald Lübeck (1883 – 1935)

Institution: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Kunstgeschichte und  Archäologien Europas, Prof. Dr. Heinrich Dilly, Beginn: April 2006, Art der Finanzierung: Privat, Veröffentlichungsform: Dissertation, Kontaktadresse: Ulrike_Keppler(at)gmx.de

Erschienen in Fotogeschichte 104, 2007

Das Forschungsprojekt befasst sich mit dem "uvre eines frühen Vertreters der Bordfotografie, einer nahezu unerforschten Gattung der Fotografie. Oswald Lübeck (1883 – 1935) bereiste von 1904 bis 1914 im Dienst der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag-Lloyd) "fernste Länder" und fremde Regionen dieser Welt. Er dokumentierte die Weltreisen, die Nordland- und Mittelamerikafahrten der berühmten Großreederei. Seine Aufnahmen zeigen das mondäne Interieur der Luxusdampfer und das herrschaftlich geführte Leben der reisenden Oberschicht an Bord. Zugleich geben diese Bilder den neugierig-naiven Blick eines Fotografen preis, der die fremdartigen Landschaften, Menschen und Kulturdenkmäler der bereisten Länder selbst entdeckt.

Das Werk Lübecks zeigt die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Fotografie: Das Spektrum reicht von der Gattung der so genannten Bord- und Hochseefotografie und spannt den Bogen von der Porträt-, der Stadt- bis hin zur Landschaftsfotografie. Seit 1984 befindet sich der Nachlass Lübecks in der Deutschen Fotothek Dresden. Er umfasst circa 6.000 Aufnahmen, darunter Glasplattennegative, Originalabzüge, Autochrome und kolorierte Diapositive.

Das Dissertationsprojekt widmet sich der wissenschaftlichen Erschließung und Analyse der fotografischen Arbeit Oswald Lübecks. Es soll damit einen Beitrag zur Erforschung der Gattung Bord- und Hochseefotografie innerhalb des Mediums Fotografie leisten. Auf der Basis des Bildmaterials werden anhand einer seriell-ikonologischen Methode die vielfältigen Wahrnehmungs-, Bedeutungs- und Verwendungsstrukturen der Reise- und Bordaufnahmen Lübecks herausgearbeitet. Im Zentrum der Untersuchungen soll dabei der Kulturkontakt zwischen dem reisenden Europäer aus der Oberschicht und den Menschen, Landschaften und Kulturen der bereisten Länder im frühen 20. Jahrhundert stehen. Es soll der Versuch unternommen werden, die Rolle der Fotografie bei der räumlichen, visuellen und technischen Eroberung der Welt zu diskutieren.

Maßgeblich für die Betrachtung und Erforschung von Lübecks Bildern sind die Parameter des Fremden. Die Fotografie galt in ihrer Frühzeit als "objektive" Darstellungsform und schien daher am besten geeignet, Informationen über ferne, exotische Länder, Kulturen und Völker aufzuzeichnen. Bedeutsam für die Analyse von Lübecks fotografischem Werk sind ebenfalls die vielfältigen Zusammenhänge von Landschaft und Gesellschaft und die Naturvorstellungen des Fotografen und der Reisenden. Eine gesonderte gattungsspezifische Betrachtung erfährt die Bord- und Hochseefotografie. Diese bildete sich um 1880 mit der Entwicklung der Passagierdampfschifffahrt zu einer eigenständigen Gattung innerhalb der bereits hoch spezialisierten Fotografie heraus. Schließlich wird die künstlerisch-ästhetische Dimension von Lübecks Reise- und Bordfotografien untersucht.