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Samuel Fosso: aus der Serie « Le rêve de mon grand-père » (2003), Edda/ Nigeria, 2003.

 Ingrid Hölzl

Der autoporträtistische Pakt –  Zur Theorie des fotografischen Selbstporträts am Beispiel von Samuel Fosso

Institution: Humboldt Universität Berlin, Seminar für Afrikawissenschaften, Prof. Dr. Susanne Gehrmann, Humboldt Universität Berlin, Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow, Akademie der bildenden Künste Wien, Beginn/Ende: 2004/2006, Art der Finanzierung: Humboldt Universität Berlin, Veröffentlichungsform: Dissertation, Kontaktadresse: ingrid.hoelzl(at)arcor.de

Erschienen in Fotogeschichte 102, 2006

Ausgehend von der Problematik fotografischer Selbstrepräsentation im Kontext postmoderner Repräsentationskritik entwickelt der erste Teil der Arbeit eine eigenständige Theorie des fotografischen Selbstporträts, um sie dann auf das ausschließlich selbstfotografische Werk von Samuel Fosso anzuwenden. Der 1962 in Kamerun geborene und seit 1975 in der Zentralafrikanischen Republik tätige Studiofotograf steht seit seiner Teilnahme an der von Simon Njami organisierten Großausstellung "Afrika Remix" (2004/2005) im Brennpunkt der westlichen Rezeption afrikanischer Gegenwartskunst.

Nach einer kurzen Einführung in den historischen Kontext der Indextheorie wird die von Rosalind Krauss begründete Indextheorie anhand ihrer bedeutendsten Vorläufer und Apologeten ausführlich dargestellt. Die Autorin argumentiert, dass Philippe Lejeunes Definition der Autobiografie als zwischen Autor und Leser geschlossener autobiografische Pakt auch für die Selbstrepräsentation in visuellen Künsten gilt, von denen in dieser Arbeit nur die Malerei und die Fotografie berücksichtigt werden. Rekurrierend auf die Schriften von Benveniste und Jakobson zur Schwierigkeit des Ich-Sagens erweitert die Autorin den auf physikalisch-chemische Kausalität reduzierten Indexbegriff um seinen sprachlich-symbolischen Aspekt. Auf diese Weise wird die Position des Bild-Autors, ohne die vom Selbstporträt nicht zu sprechen ist, wieder in die Relation von Referent und Bild mit einbezogen. Entsprechend ihrer Grundthese einer strukturellen Analogie des Ich-Verweises in Fotografie, Malerei und Autobiografie greift die Arbeit für die Definition des fotografischen Selbstporträts auf entsprechende Literatur zum Maler-Selbstporträt zurück, die ausführlich diskutiert werden. In der Folge ihrer Überblicksdarstellung der Geschichte des fotografischen Selbstporträts wird die Anwendbarkeit der Indextheorie auf die Theorie des fotografischen Selbstporträts hinterfragt und ausgehend von der performativen Dimension medialer Selbstreferenz anhand zweier prototypischer Varianten entwickelt, die bei Samuel Fosso zur Anwendung kommen: des Selbstporträts mit Selbstauslöser und des Selbstporträts mit bzw. im Spiegel. In diesem Zusammenhang findet auch den Konnex von Selbstporträt und Narzissmus Berücksichtigung.

Nach einer Darstellung der westlichen Rezeption afrikanischer Studiofotografie und Gegenwartskunst wird die Theorie auf die einzelnen Werkserien Samuel Fossos angewandt, die in Hinblick auf ihren Selbstporträt-Status untersucht werden. Dabei stützt sie sich die Arbeit sowohl auf die Unterscheidung Lejeunes zwischen autobiografischem Pakt und Roman-Pakt als auch auf die von Gadamer und Boehm aufgemachte Unterscheidung zwischen Kostümporträt als Unterart des autonomen Porträts und Modell- bzw. Rollenporträt als Unterarten des nicht-autonomen Porträts. Abschließend wird Fossos bisheriges Werk als ikonostatisches Bild des Lebens gelesen und die Arbeit wieder in die aktuelle Diskussion um Postmodernität, Selbstrepräsentation und fotografische Selbstreferenz gestellt, aus der heraus sie ihren Anfang genommen hatte.

 

Literatur:

Ingrid Hölzl: Der autoporträtistische Pakt. Zur Theorie des fotografischen Selbstporträts am Beispiel von Samuel Fosso, München: Wilhelm Fink, 2008, 246 Seiten, 42 s/w- Abb., Kart., EUR 34.90