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Guido Boggiani: "India Caduveo". Fotografische Tafel, 1904. Völkerkundemuseum der Universität Zürich

Beatrice Kümin

Expedition Brasilien – Von der Forschungszeichnung zur ethnografischen Fotografie

Institution: Völkerkundemuseum der Universität Zürich, Prof. Michael Oppitz –
Art der Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, Forschungskredit der Universität Zürich – Veröffentlichungsform: Benteli Verlag, Bern 2007 (Dissertation) – Kontaktadresse: beakuemin(at)access.uzh.ch

Erschienen in: Fotogeschichte 106, 2007

Die Studie "Expedition Brasilien – Von der Forschungszeichnung zur ethnografischen Fotografie" untersucht in einer vergleichenden Analyse die visuelle Darstellung von brasilianischen Indianern im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit entstanden auf Forschungsexpeditionen bedeutende ethnografische Bildzeugnisse, die das Leben der indigenen Bevölkerung porträtierten. Aufzeichnungsmedium dieser frühen ethnografischen Forschungen war der Zeichenstift. Das vermeintlich objektive und naturgetreue Abbildungsvermögen der 1839 erfundenen Fotografie führte jedoch zu einer allmählichen Verlagerung der Aufzeichnungstechnik, bis die Fotokamera Feder und Pinsel als Forschungsinstrument ablöste.

Im Buch werden Bilddokumente, welche während dieser frühen Feldforschungen in Brasilien entstanden, einander gegenübergestellt und nach Ideengehalt, Funktion und Authentizität untersucht. Das Buch gliedert sich in drei Kapitel: erstens Bilder im Kontext; zweitens Prozesse der Umwandlung und, drittens, Zeichnung und Fotografie im Vergleich. Im ersten Teil werden die Bedingungen des Reisens im portugiesischen Kolonialreich behandelt, die Umstände, unter denen bildliche Darstellungen auf solchen Expeditionen hatten entstehen können, sowie die publizistischen Absichten, die sich damit verknüpften. Im zweiten Teil wendet sich das Augenmerk auf die Transformationen, denen ursprünglich im Felde entstandene Bilder im Laufe ihres weiteren Schicksals unterworfen wurden. Dies betrifft zunächst einmal ihre Weiterentwicklung in der Hand ihrer Schöpfer; sodann die Weiterentwicklung im Prozess ihrer Publikationsgeschichte; und schließlich die Verwandlung von Bildern und Bildmotiven durch Kopisten, Nachahmer und Abkupferer. Die einmal geschaffenen Bildrepertoires eigneten sich aber auch als Anreger zu Metamorphosen in gänzlich andere Dimensionen: Ursprüngliche oder bereits abgewandelte Motive fanden Verwendung in Panoramatapeten, Skulpturen, Dioramen, Stereofotografien oder Ansichtskarten. Der dritte Teil der Abhandlung steht im Zeichen des mediengeschichtlichen Umbruchs vom handgefertigten zum mechanisch ausgelösten Bild, der Verlagerung des Dokumentierens von der Zeichnung zur Fotografie.

 

Literatur: Beatrice Kümin: Expedition Brasilien. Von der Forschungszeichnung zur ethnografischen Fotografie, Zürich: Benteli Verlag, 2007.