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Jeff Wall: The Storyteller, 1986

Margaret Iversen, Diarmuid Costello, Wolfgang Brückle, Dawn Phillips

Aesthetics After Photography

Veröffentlichungsform: Aufsatz- und Buchpublikationen – Institution: University of Essex und University of Warwick (beide UK) – Art der Finanzierung: Arts and Humanities Research Council – Kontaktadresse:  http://www2.essex.ac.uk/arthistory/ahrc/

Erschienen in: Fotogeschichte 107, 2008

Teilweise aufgrund der dokumentarischen Strategien von Vertretern der Konzeptkunst, der Land Art und der Performance hat sich die Fotografie seit den 1960er Jahren zu einer ästhetisch und ökonomisch bedeutsamen Kunstform entwickelt. In den 1970er und 1980er Jahren war Fotografie in der Kunst einer Vielzahl von radikalen Avantgarde-Praktiken verbunden, die mit den traditionellen Gewohnheiten ästhetischer Wertschätzung brechen wollten. Fotografen wie Jeff Wall oder Thomas Struth haben mit ihren bildmäßigen Museumsstücken keine derartigen anti-ästhetischen Ziele mehr vor Augen. Sie nutzen Entwicklungen der Digitaltechnik für großformatige Farbbilder, die oft Gemälden gleichen wollen. In den 1960er und 1970er Jahren erschien die Fotografie zusammen mit Texten als Performance-Dokument, Journalismus-Parodie und in kleinen Büchern mit Schnappschüssen auf dem Markt. Die grossformatige Farbfotografie erscheint vor diesem Hintergrund als Rückkehr zu konventionellen Bildkonzepten.

Das Projekt untersucht die Bedeutung dieser Verschiebung in der zeitgenössischen Kunstpraxis und ihre Bedeutung für die Kunsttheorie. Die Frage ist, wie wir diese Entwicklung begründen und beurteilen sollen und welche Praktiken der damit verbundenen "großen Erzählung" der Kunstgeschichte widerstreben. Die Beantwortung dieser Fragen erfordert ein Studium der medialen Eigenschaften von Fotografie und eine Neubewertung der Fotografietheorie. Zu fragen ist deshalb: Welche ästhetische Theorie ist der Fotografie angemessen in einer Zeit, in der sie nicht mehr als anti-ästhetisches Medium gilt" Soll sie mithilfe von Kategorien abgehandelt werden, denen auch die Analyse von benachbarten Bildmedien verpflichtet ist: Stil: Ausdruck, Originalität, Darstellung, Intention und dergleichen" Oder bedarf sie eigener Kategorien, die ihr als Medium und technischer Apparatur gerecht werden"

Die Untersuchung der Herausforderungen, der traditionelle ästhetische Kategorien durch fotografische Praktiken ausgesetzt sind, soll zu einer Überwindung der Gegnerschaft von Ästhetik und Anti-Ästhetik und von Fotografie und Malerei führen. Die modernistische Kritik von Greenberg bis Szarkowski meinte, das Medium habe in seiner besonderen Eigenart isoliert betrachtet zu werden. Diese Position schloss den Blick auf die hybriden Praktiken der 1960er und 1970er aus. An der Zeit ist stattdessen eine Suche nach Wegen für die Fototheorie, das Medium in einer nicht-essentialistischen, nicht formalistischen Weise zu bestimmen, und die Frage nach den generellen Folgen, die mit der Infragestellung der "straight photography" für das Medium verbunden sind.

Margaret Iversen arbeitet an einem Buch über Wahrnehmungen von Automatismus, Indexikalität und objet trouvé in fotografischen Praktiken und Theorien vom Surrealismus bis in die Gegenwart. Diarmuid Costello untersucht die philosophischen Implikationen jüngster technologischer Entwicklungen, insbesondere der Digitalfotografie, für unser Verständnis der Fotografie als Kunstmedium. Wolfgang Brückle erforscht Authentifizierungsstrategien in der Gegenwartsfotografie, insbesondere mit Rücksicht auf dokumentarische Tendenzen. Dawn Phillips untersucht die Bedeutung ästhetischer Ansätze von Robin G. Collingwood und Richard Wollheim für die Fotografietheorie, insbesondere für die Theorie des Ereignischarakters der Fotografie.

Im Oktober 2007 hat das unter Federführung von Prof. Iversen (Deptartment of Art History and Theory, University of Essex) und Prof. Costello (Department of Philosophy, Warwick University) beantragte und vom Arts and Humanities Research Council finanzierte Projekt seine Arbeit aufgenommen; es ist auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Die nächste größere Aktivität ist eine international besetzte Sektion auf der Tagung der Association of Art Historians, London 2008 ("Photography After Conceptual Art").