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Fiona Geuß

Der Fotograf Giorgio Sommer sieht die Schweiz

Magisterarbeit – Freie Universität Berlin, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften, Kunsthistorisches Institut, Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk – Beginn: Februar 2009 – Art der Finanzierung: privat – Kontaktadresse: fiona@theoffice.li

Erschienen in: Fotogeschichte 119, 2011

Die Magisterarbeit widmet sich den Schweizer Ansichten Giorgio Sommers, der neben Alinari zu den Pionieren der Reisefotografie in Italien zählt. Während sich Marina Miraglia (1992) und zuletzt Giovanni Fanelli (2007) in monografischen Publikationen den Stadt-, Landschafts-, Genre- und Architekturaufnahmen Sommers aus Italien widmeten, befasst sich die Forschungsarbeit mit seiner durch Verkaufskataloge seit Mitte der 1880er Jahre dokumentierten Tätigkeit in der Schweiz. Sie stellt damit die erste umfassende Untersuchung eines bislang nicht eingehend behandelten Werkkomplexes des aus Frankfurt stammenden Fotografen dar.

Giorgio Sommer gilt als Wegbereiter des 1851 von dem Engländer Frederic Scott Archer entwickelten Nassen Kollodiumverfahrens in Italien. Das 1857 in Neapel eröffnete Atelier, das er bis zu seinem Tod 1914 führte, wurde schon bald eines der größten fotografischen Unternehmen der damaligen Zeit. Vor allem aus Süditalien, aus Rom oder Florenz konnten Reisende Aufnahmen als Erinnerung erwerben, doch Sommer besuchte für Fotokampagnen auch Nachbarländer. In der Schweiz begünstigte die Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzende Etablierung der Schweizreise neben der Grandtour die Verbreitung des Mediums, da mit stetig wachsender Zahl von Touristen die Nachfrage an Veduten stieg.  Neben einheimischen Pionieren wie Johann Baptist Isenring waren vor allem ausländische Fotografen darunter der Deutsche Friedrich von Martens und später der Franzose Adolphe Braun oder der Engländer Francis Frith in der Eidgenossenschaft tätig, bis Ende der 1860er Jahre allmählich die Beteiligung von Schweizer Ateliers an der Produktion touristischer Ansichten einsetzte. Der „Schweizerische Photographenverein“ nahm in seinem Jahresbericht von 1888 schließlich regelrecht besorgt Kenntnis von Sommers Arbeit in der Schweiz, da auf Grund seiner niedrigen Preise die „einheimische Landschaftsphotographie vollständig ruinirt […]“ werde.[1]

Grundlage der Arbeit ist ein Konvolut von über 60 Albuminabzügen aus der fotografischen Sammlung von Dietmar Siegert in München. Ergänzt wird dieses Konvolut durch einzelne Aufnahmen Sommers aus einem Album touristischer Ansichten, das sich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich befindet.[2] Die Fotografien der Landschaften, der Architektur- und Stadtansichten spiegeln obligate Ziele und Naturerfahrungen der Schweizreise wieder. Bei der Betrachtung stehen drei Aspekte im Vordergrund: das Verhältnis der Fotografien zu tradierten Darstellungen in Malerei und Grafik, die Schweizer Landschaft in Fotografien des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Mediums in der Schweiz und die Frage nach einer spezifisch für Giorgio Sommer erkennbaren Bildsprache in Bezug auf Komposition und fotografische Retusche.

Sämtliche Fotografien der Sammlung Siegert sind in dem Verkaufskatalog der Schweiz und Tirol aus dem Jahr 1899 gelistet, der die Kataloge von 1886 und 1888 zusammenfasst.[3] Die über 1100 gelisteten Schweizer Ansichten geben eine Ahnung über die umfangreiche Tätigkeit von Sommers Atelier in der Schweiz, die in der Forschungsarbeit erstmals eingehend behandelt wird. Untersucht werden soll auch, inwieweit der Fotograf sich im Vorfeld seiner Fotokampagnen mit lokalen Darstellungskonventionen auseinandersetzte. Die Gegenüberstellung seiner Fotografien aus Italien und aus der Schweiz ermöglicht zudem einen differenzierten Blick auf die Vorgehensweise und Bildfindung eines des bedeutendsten Reisefotografen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.


[1] Moritz Vollenweider: Jahresbericht des Schweizerischen Photographenvereins, in: Photographische Korrespondenz, Nr. 334/25, Wien 1888, S. 309.

[2] Schroeder & Cie. Verlag: Fotoalbum mit touristischen Ansichten der Schweiz, um 1870, Schweizerisches Landesmuseum Zürich, Inv. Nr.: LM 101491.1-69.

[3] Giorgio Sommer: G. Sommer & Figlio. Fotografi di S. M. il Re d’Italia. Catalogo di Fotografie. Svizzera e Tirolo, Neapel 1899 (Calcografia di Roma, nicht publiziert).