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Farkas: „Der Köhler“ [aus: Hans Leifhelm. Menschen der Berge, Graz, 1936, S. 87].

Elizabeth Cronin

Passive Fascism? The Politics of Austrian Heimat Photography

PhD Dissertation – Institution: The Graduate Center, City University of New York, Department of Art History, Prof. Dr. Geoffrey Batchen und Prof. Dr. Rose Carol Long – Abschluss: Februar 2012 – Erscheint: 2012 – Art der Finanzierung: Fulbright, Joan and Stanford Alexander Award – The Museum of Fine Arts, Houston, und privat – Kontaktadresse: cronin(at)gmx.net

Erschienen in: Fotogeschichte 121, 2011

Heimatfotografie bildet eine Vorstellung der Heimat ab, welche von realen Gegenständen  sowie von der optimistischen und beschönigten Erinnerung an die Heimat lebt. Das Abbild der Wirklichkeit bestätigt die idyllische Vorstellung und zeigt den Charakter der Heimat auf. Während der 1930er Jahre inszenierte die österreichische Heimatfotografie alpine Landschaften, malerische Dörfer, Bauern in traditionellen Trachten, Kirchen, Bergsteiger und Skifahrer. Die beliebte Ästhetik der Heimatfotografie war weder anspruchsvoll noch außergewöhnlich. In einer Zeit der wirtschaftlichen Not und der politischen Demütigung war ein positives Abbild der Heimat erwünscht. Die schönen Bilder der Heimat fanden ein breites Publikum, das alle – egal ob politisch aktiv oder nicht – gleichermaßen einschloss.

Der alltägliche Charakter der Heimatfotografie und ihre weitverbreitete, öffentliche Präsenz macht die Heimatfotografie zu einem interessanten gesellschaftlichen Indikator. Sie verbildlicht einen weiten Teil der Kultur. Viele Historiker haben sich mit dem Konzept von Heimat und ihrer Beziehung zu Geschichte, Film und Literatur befasst, eine eingehende Studie über die Heimatfotografie fehlt hingegen bislang, obwohl diese Bilder Heimatideen und politische Ideologien allgegenwärtig gemacht haben. In meiner Fallstudie über die österreichische Heimatfotografie der 1930er bis zu den 1950er Jahren erörtere ich, in welcher Weise auch scheinbar gewöhnliche Fotografien stets ein Teil eines größeren politischen Kontextes sind.

Heimatfotografen waren Amateur- und Berufsfotografen, die Elemente der piktorialistischen Kunstfotografie und des Neuen Sehens kombiniert haben. Meine Studie untersucht die fotografische Arbeit und die Karrieren von sechs der erfolgreichsten österreichischen Heimatfotografen. Diese zeigen den besonderen politischen Charakter der österreichischen Heimatfotografie auf, die zwischen Lokalpatriotismus und Nationalismus pendelt. Ihre Fotografien präsentieren eine neue und relativ homogene Darstellung des Landes und seiner Menschen. Mit zunehmender Frequenz erschienen in den 1930er Jahren Heimatfotografien in Ausstellungen, Bildbänden und Zeitschriften, die der austrofaschistische Ständestaat unterstützt hat, um durch ein idyllisches Bild der Heimat Österreich kulturell zu einigen. Heimatfotografie war damit auch ein integraler Bestandteil des staatlich geförderten österreichischen Tourismusprogramms. Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland im Jahr 1938 wurden viele Heimatfotografien, die in den Jahren zuvor entstanden waren, übernommen und eingesetzt, um eine friedliche und reine deutsche Heimat aufzuzeigen. Die Bilder von Alpinlandschaften, dem Bauernleben, Wanderern und barocken Kirchen waren an sich nicht propagandistisch und deswegen waren die „unschuldigen“ Motive in der Nachkriegszeit immer noch verwendbar und gut geeignet, ein „neues“ Bild Österreichs zu entwerfen. Da viele Heimatfotografen nach 1945 ziemlich bruchlos weiterarbeiteten, und die Bilder nach wie vor weit verbreitet waren, ist ihr Verhältnis zu Nationalismus und österreichischer politischer Identität vielschichtig und komplex.

Die Veränderung der Heimatfotografie im Kontext der Zeit bestätigt die Formbarkeit und Anpassungsfähigkeit der fotografischen Bildsprache. Die vorliegende Untersuchung einer wenig bekannten, aber sehr einflussreichen Bewegung in Österreich bietet nicht nur eine neue Perspektive auf die Entwicklung der modernen, österreichischen Identität und Kultur, sondern sie deutet auch auf die Wichtigkeit volkstümlicher Bewegungen in der Geschichte der Fotografie hin.