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BÜCHER, KURZ VORGESTELLT

Erschienen in: Fotogeschichte 128, 2013

  • Daniela Janser, Thomas Seelig, Urs Stahel, in Zusammenarbeit mit Eva Kurz, Therese Seeholzer und Corinna Unterkofler (Hg.): Concrete. Fotografie und Architektur/Photography and Architecture, Katalog (dt./engl.) zur gleichnamigen Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, 2. März bis 20. Mai 2013, Zürich: Scheidegger & Spiess, 2013, 440 S., 28 x 21 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, gebunden, 87 Euro,  99 SFR.

Der Band setzt ein mit einer „Tour d’Horizon: Von Talbot bis Koolhaas“ und diese panoramaartige Annäherung wird auch im Inneren des Katalogs beibehalten. Gewiss, das Thema ist äußerst facettenreich und nur ein Ausschnitt davon kommt zur Sprache. Erfreulicherweise geben nicht die „großen“ Fotografen Blickwinkel und Chronologie vor, sondern gesellschaftliche Probleme und Themen wie Stadtwahrnehmung, Transit, Material, Abgrenzung, Aufbau/Zerstörung etc. Aber auch ganz Städte werden unter dem Blickwinkel der Fotografie erkundet, die Reise führt von Winterthur über Venedig, Paris und Berlin nach New York und schließlich nach Kalkutta. Ein ausgezeichnetes, wunderbar gestaltetes Buch.

  • Miriam Halwani: Geschichte der Fotogeschichte 1939–1939, Berlin: Reimer Verlag, 2012, 281 S., 24 x 17 cm, zahlreiche Abb. in S/W, kartoniert, 49 Euro.

Die Autorin wirft einen Blick hinter die Kulissen der Fotogeschichtsschreibung. Sie untersucht die „Strickmuster“, nach denen seit dem 19. Jahrhundert am Projekt Fotogeschichte gearbeitet wird. Welche Anliegen hatten die Autoren, welche theoretischen, ideologischen, ästhetischen und praktischen Überlegungen liegen einzelnen Publikationen zugrunde, welche ausgesprochenen und unausgesprochenen Deutungskämpfe wurden ausgefochten. In fünf Kapiteln, die die Zeitspanne von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der 1930er Jahre umfassen, wird eine spannende Metageschichte der Fotografie erzählt. Ein umfassendes Literaturverzeichnis rundet den Band ab. Schade, dass die Abbildungen gar so dürftig geraten sind.

  • Helga Paris. Fotografie/Photography, hg. vom Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart, Elke aus dem Moore. Texte von Inka Schube und Helga Paris, Ostfildern: Hatje Cantz, 2013, 207 S., 28 x 24,5 cm, zahlreiche Abb. in Duotone, gebunden, 39,80 Euro.

Es hat lange gedauert, bis die 1938 geborene deutsche Fotografin Helga Paris größere internationale Anerkennung erfahren hat. 2000 erschien ihr Fotoband Diva in Grau, in dem sie die desolate Wohnsituation und Architektur in Halle dokumentierte (Stand: Mitte der 80er Jahre), 2003 wurden ihre Selbstbildnisse in Berlin gezeigt, 2004/5 erhielt sie die erste monografische Ausstellung im „Westen“ – im Sprengel Museum in Hannover. Der aktuelle Katalog bietet einen guten Überblick über ihr Werk. In eindrucksvollen Porträts hielt sie Alltag und Leben im östlichen Deutschland seit den 1960er Jahren fest, zu sehen sind aber auch Architektur- und Reisebilder sowie ihre Selbstporträts.

  • Wilhelm Genazino: Aus der Ferne. Auf der Kippe. Bilder und Texte, München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2012, 133 S., 24 x 21 cm, Abb. in S/W, kartoniert, 14,90 Euro.

Auf einer Seite des Buches ist jeweils ein Bild zu sehen, das den Autor auf der gegenüberliegenden Seite zu einem kleinen, essayistischen Exkurs anregt. Die Texte dieses Bandes erschienen bereits vor Jahren in Buchform (Aus der Ferne, 1993, Auf der Kippe, 2000). Sie waren lange Zeit vergriffen. Es lohnt, diese nun wieder aufgelegten Miniaturen zur Fotografie erneut zur Hand zu nehmen. Viele der Bilder hat der Autor am Flohmarkt oder beim Trödler gefunden, andere sind Postkarten, wie sie oft in Museen und Buchhandlungen angeboten werden. Genazino lässt sich, ausgehend von der fotografischen Aufnahme, in Gedanken treiben, er kehrt in seinen Erinnerungen zurück in seine eigene Kindheit und Jugend, greift oft ein unscheinbares Detail heraus oder dreht das Bild um und lässt die Rückseite sprechen. Wunderbar.

  • DVD: Photo Vol 1. Die großen Strömungen in der Photographie. Nach einer Idee von Luciano Rigolini, Regie: Stan Neumann, Alain Nahum, Arte Edition/absolut Medien, 2012 – Sprachoptionen: deutsch, französisch, Laufzeit: 104 Minuten – 14,90 Euro; Bestellung: www.absolutmedien.de

Die dreiteilige DVD-Serie „Kontaktabzüge“, die 2008 erschien (siehe die Rezension in Fotogeschichte, Heft 113, 2009) hat nun eine Fortsetzung bekommen. Die neue DVD-Reihe erscheint unter dem schlichten Titel „PHOTO“ und ist auf 12 Teile angelegt. Teil 1 liefert einen Überblick über die großen Strömungen der Fotografie, von der Daguerreotypie bis zu künstlerischen Fotoarbeiten der Gegenwart. Im Vergleich zur ersten DVD-Staffel fällt die vorliegende Reihe qualitativ deutlich ab. Adressiert wird ein breites Publikum, dem man eine differenzierte Sichtweise nicht wirklich zumutet. An die Stelle einer reflektierten Annäherung setzen die Regisseure Stan Neumann und Alain Nahum effekthascherische Animationen. Schade!

  • Nadia Blumenfeld Charbit, Francois Cheval, Ute Eskildsen (Hg.): Erwin Blumenfeld. Blumenfeld Studio. Color, New York, 1941–1960, Ausstellungskatalog  Musée Nicéphore Niépce, Museum Folkwang Essen, Göttingen: Steidl Verlag, 2013, 27 x 22 cm, 205 S., zahlreiche Abb. in Farbe, gebunden, 28 Euro.

Der vom Surrealismus und der Avantgarde beeinflusste Fotograf Erwin Blumenfeld (1897–1969) wurde seit den späten 1980er Jahren wiederentdeckt. Seine Modeaufnahmen, die seit den späten 1930er Jahren für große amerikanische Magazine wie Harper’s Bazaar oder Vogue entstanden, sind inzwischen weithin bekannt. Weshalb also noch ein weiterer Katalog? Ausgangsmaterial für diese neuerliche Präsentation ist die Sichtung von Blumendfelds Archiv. Nun wurden seine (bisher nicht bekannten) Planfilme, mit denen er seine Farbbilder herstellte, gesichtet (insgesamt 664) und die (teilweise verblichenen) Farben digital rekonstruiert. In der Ausstellung waren also keine Originale, sondern Neuabzüge (Pigment-Inkjetprints) zu sehen, die gestempelt und nummeriert wurden, bevor sie (womöglich) neuerlich Eingang in den Kunstmarkt finden.

  • Julian Nida-Rümelin, Jakob Steinbrenner (Hg.): Kunst und Philosophie. Fotografie zwischen Inszenierung und Dokumentation, Ostfildern: Hatje Cantz, 2012, 126 S., Abb. in S/W, kartoniert, 16,80 Euro.

Der Band ist das Ergebnis einer Vortragsreihe, die die Universität München und die Kulturstiftung des Bundes zwischen 2009 und 2011 an fünf deutschen Museen veranstaltete. Die Vorträge wurden in der Reihe „Kunst und Philosophie“ gesammelt. Der fünfte und letzte Teil fasst die Vorträge eines Symposiums zum Thema „Fotografie zwischen Inszenierung und Dokumentation“, das am 7. Juli 2011 im Kunstmuseum Bonn stattfand, zusammen. Vortragende und Autoren des vorliegenden Bandes waren bzw. sind Kendall L. Walton, Klaus Sachs-Hombach, Herta Wolf, Michael Wetzel und Dominic Mclver Lopes.

  • Ute Eskildsen, Museum Folkwang (Hg.): Der Mensch und seine Objekte. Fotografische Sammlung Museum Folkwang, Göttingen: Steidl Verlag, 2012, 240 S., 28,5 x 23 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, gebunden mit Schutzumschlag, 34 Euro.

Der Katalog begleitet die letzte große Ausstellung, die Ute Eskildsen, seit 1979 Leiterin der fotografischen Sammlung am Folkwang Museum in Essen, kuratiert hat. Das wunderbar gestaltete Buch bringt ausschließlich Fotos aus der museumseigenen Sammlung zur Anschauung. Es handelt sich also um eine Art Sammlungskatalog, der aber nicht bei der simplen Reihung von bekannten Werken stehen bleibt, sondern am Beispiel Porträtfotografie – von den Anfängen bis heute – zu visuellen und intellektuellen Erkundungen anregt. Vier Essays, von Peter Geimer, Bernd Stiegler, Steffen Siegel und Kathrin Peters, denken die Bildstrecken in unterschiedliche Richtungen weiter. Empfehlenswert.

  • Bettina Gockel in Zusammenarbeit mit Patrizia Munforte (Hg.): American Photography: Local and global Contexts, Studies in Theory and History of Photography, Vol. 2, Berlin: Akademie Verlag, 2012, 274 S., 28 x 21 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, kartoniert, 79,80 Euro.

Die Beiträge dieses Sammelbandes gehen auf eine Vortragsreihe der Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Universität Zürich zurück, die im Herbst 2009 stattfand. Die Beiträge bekannter amerikanischer Fotohistoriker/innen, die teilweise schon in anderen Kontexten erschienen sind, sind durchwegs fundiert und geben interessante Einblicke in die amerikanische Fotografiegeschichte. Anderes als der inhaltlich recht disparate erste Band der Schriftenreihe kristallisiert sich in der vorliegenden Publikation ein klarerer Fokus heraus. Bd. 3 der Reihe erscheint im Oktober 2013 und wird die Fotomontage im faschistischen Italien zum Thema haben.

  • Ute Eskildsen, Kerstin Meincke (Hg.): Afrika hin und zurück. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Museum Folkwang Essen, 25. August bis 21. Oktober 2012, Göttingen: Steidel, 2012, 93 S., 30 x 22 cm, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, kartoniert, 10 Euro.

Ein anregendes Experiment: Afrika wird als fotografischer Begegnungsort imaginiert. Die Gastkuratorin Kerstin Meincke hat acht Fotografen ausgewählt, deren Fotoarbeiten Afrika zum Thema haben. Sie hat europäische Afrikareisende wie Rolf Gillhausen, Germaine Krull oder Wolfgang Weber neben afrikanische Fotografen wie Joseph Makula, J.D. Okhai Ojeikere, Malick Sidibé oder Pieter Hugo positioniert und auf diese Weise einen schmalen Ausschnitt aus acht Jahrzehnten afrikanischer Geschichte und Gesellschaft aus unterschiedlichen Blickwinkeln gezeigt. Diese Begegnung müsste eigentlich zu sprühenden Funken führen, die Konfliktthemen liegen auf der Hand: Kolonialismus, Rassimus, Gewalt. Statt dessen aber zieht sich die Kuratorin als Beobachterin zurück: Sie schreibt: „Bildauswahl und Ausstellung zielen (...) nicht auf eine Bewertung.“

  • Konrad Dussel: Pressebilder in der Weimarer Republik: Entgrenzung der Information, Münster: Berlin, Lit Verlag, 2012, 414 S., 22,5 x 16,5 cm, Abb. in S/W, gebunden, 39,90 Euro.

Der Titel verspricht weit mehr als er einhält. Eigentlich müsste das Buch heißen „Karlsruhe und seine Presse“. Zwar bietet der Autor im ersten Teil seines Werkes einen Überblick über die deutsche Bildpresse und im Schlussteil greift er das Thema noch einmal auf – freilich ohne neue Forschungen vorzulegen. Hauptsächlich aber beschäftigt er sich mit Zeitungsgeschichte und Pressebildern in Karlsruhe, wobei er dankenswerter Weise auch den Tages- und nicht nur den illustrierten Wochenzeitungen Aufmerksamkeit schenkt. Leider ist der Band qualitativ überaus dürftig bebildert. Brauchbar ist hingegen ‚das umfassende Literaturverzeichnis.

  • Agnes Husslein-Arco, Severin Dünser, Axel Kohne (Hg.): Fotos – Österreichische Fotografie von den 1930ern bis heute, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im 21er Haus, 30. Januar bis 5. Mai 2013, Nürnberg: Verlag für moderne Kunst, 2013, 272 S., 24 x 19 cm, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, kartoniert, 35 Euro.

Die Ausstellung, so die beiden Kuratoren Severin Dünser und Axel Köhne in der Einleitung, „bildet keinen chronologischen Querschnitt einer Fotografiegeschichte ab, ist auch nicht in verschiedene Themenbereiche unterteilt, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und versucht Hierarchisierungen und Kategorisierungen zu vermeiden. Die Auswahl ist (...) assoziativ und nicht wertend (...).“ Entsprechend diesem anything goes-Zugang haben sich die Herausgeber für den Katalog was Feines einfallen lassen: die Reihenfolge der Bildseiten folgt bei der Bindung dem Zufallsprinzip. Jeder Katalog ist also anders. Das zeigt: Wer nicht fähig ist, sich klare Gedanken über Geschichte und Zusammenhänge der Fotografie zu machen, versteckt sich hinter einer ästhetischen Spielerei. Ein misslungenes Vorhaben.

  • Ulrich Pohlmann und Dietmar Siegert (Hg.): Zwischen Biedermeier und Gründerzeit. Deutschland in frühen Photographien 1840–1860. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Münchner Stadtmuseum – Sammlung Fotografie, 29. November 2012 bis 20. Mai 2013, 363 S., 28 x 24 cm, 291 Farbtafeln, gebunden, 49,80 Euro.

Es ist schon einige Jahre her, dass ein breiter Überblick über die deutsche Fotografie der frühen Jahre gezeigt wurde. Das holt nun das Münchner Stadtmuseum in einer beeindruckenden Schau und einem gut gemachten Katalog nach. Neben bekannten Ansichten werden auch kaum gezeigte Bilder vorgestellt. Die Kontextualisierung übernehmen 13 Aufsätze renommierter Autoren. Ein vorbildlicher Anhang mit Biografien der Fotografen, Werkverzeichnis und Literatur rundet den Band ab. Schade, dass auf den Index verzichtet wurde, handelt es sich doch um ein Buch, das bald als Standardwerk in vielen Fotobibliotheken stehen wird.

  • Herbert W. Rott, Dietmar Siegert (Hg.): Neapel und der Süden. Fotografien 1846–1900. Sammlung Siegert, Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Neuen Pinakothek München, 11. November 2001 bis 26. Feb. 2012, Ostfildern: Hatje Cantz, 2011, 190 S., 30,9 x 24,7 cm, 140 Abb. in Duotone bzw. Farbe, gebunden, 39,80 Euro.

Die früheste bekannte Aufnahme von Neapel entstand 1841. Sie stammt vom Engländer John Alexander Ellis. Ausländische Reisende waren es, die das frühe Italienbild und auch das Image Neapels in Bildern formten. In den 1850er Jahren dominierten v.a. Engländer und Franzosen die Fotoszene in Italien, etwas später auch deutsche Reisende, etwa Giorgio Sommer, der 1857/58 in Neapel ein Atelier eröffnete. 1865 gab es in Neapel bereits 14 Ateliers, die meisten davon wurden von Einheimischen betrieben, aber das „typische“ Stadtbild wurde noch jahrzehntelang von ausländischen Fotografen bestimmt.

  • Jan von Brevern: Blicke von Nirgendwo. Geologie in Bildern bei Ruskin, Viollet-le-Duc und Civiale, Reihe; eikones, NFS Bildkritik an der Universität Basel, München: Wilhelm Fink Verlag, 2012, 311 S., 22 x 15,5 cm, Abb. in Farbe und S/W, gebunden, 49,90 Euro.

Die Fotografie des 19. Jahrhunderts wird vom Museumsbetrieb gerne der Kunst zugeschlagen, jedenfalls nicht der Naturwissenschaft. Dass ein Gutteil der Bildproduktion nach der Mitte des 19. Jahrhunderts in technisch-wissenschaftlichen Kontexten entstand, darauf hat schon vor Jahren Rosalind Krauss hingewiesen. Jan von Brevern verfolgt diese Spur auf produktive Weise weiter und untersucht, welche Rolle die Fotografie, insbesondere die Gebirgsfotografie, in der geologischen Diskussion zwischen 1850 und 1880 spielte. Eine gelungene wissenschaftshistorische Arbeit.

  • Maren Polte: Klasse Bilder. Die Fotografieästhetik der „Becher-Schule“, Humboldt-Schriften zur Kunst und Bildgeschichte, Bd. 17, Berlin: Gebr. Mann Verlag, 2012, 255 S., 24 x 17 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, kartoniert, 49 Euro.

„Längst ist die Bezeichnung (Becher-Schule) zum Erfolgslabel geworden. Doch das Verhältnis der Gruppenmitglieder untereinander oszilliert zwischen einem Bedürfnis nach ‚gruppeninternen Abgrenzung’ und der Lust am kollegialen Kräftemessen.“ (Klappentext) Die Autorin legt eine kunsthistorische Rekonstruktion der Becher-Schule vor, in deren Mittelpunkt die ästhetische Einordnung der einzelnen Mitglieder steht. Interessant wäre gewesen, auch einen umfassenderen Blick auf die Rezeption der Schule am Kunstmarkt und in der musealen Welt zu werfen.

  • Frank Bunker Gilbreth, Lilian Moller Gilbreth: Die Magie des Bewegungsstudiums. Photographie und Film im Dienst der Psychotechnik und der Wissenschaftlichen Betriebsführung, hg. von Bernd Stiegler und unter Mitarbeit von Alexander Müller, Reihe: Photogramme, München: Wilhelm Fink Verlag, 2012, 270 S., 23 x 15,5 cm, zahlreiche Abb. und Grafiken in S/W, kartoniert, 39,90 Euro.

Die psychotechnischen Forschungen des amerikanischen Selfmade-Wissenschaftlers Frank Bunker Gilbreth (1868–1924) und seiner Frau Lilian Moller Gilbreth (1878–1972) können als ergänzendes Gegenstück zur Theorie des Fordismus und Taylorismus gelten. In ihren Abhandlungen und Texten, die für eine Beschleunigung der Arbeitsprozesse im Kontext der kapitalistischen Wirtschaft eintreten, spielten Bildmedien (Fotografie und Film) eine zentrale Rolle. Die ersten fotografischen Aufnahmen Gilbreths erschienen 1905 in gedruckter Form. Der Band stellt wichtige Texte der beiden Pioniere der Effizienz- und Managementforschung vor und bringt auch eine Auswahl an (leider meist undatierten) Fotos aus dem Gilbreth-Archiv.

  • Anke Kramer, Annegret Pelz: Album. Organisationsform narrativer Kohärenz, Göttingen: Wallstein Verlag, 2013, 349 S., 24 x 17 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, kartoniert, 34,90 Euro.

Hinter dem akademisch etwas verzopften Untertitel dieses Bandes versammeln sich hochinteressante Beiträge zu Les- und Erscheinungsweisen des Albums. Gemeint sind nicht nur klassische Fotoalben, sondern Bild- und Textsammlungen jeglicher Art, vom klassischen Salonalbum des 18. Jahrhunderts bis hin zu Online-Alben im Web 2.0. Der Anspruch, das Album als „Netzwerkmedium“ aus kultur- und medienwissenschaftlicher Sicht neu beleuchten, wird eingelöst. Ein Gutteil der Texte ging aus einer 2009 am Institut für Germanistik der Universität Wien veranstalteten Tagung im Jahr hervor. In vielen Beiträgen dreht sich die Auseinandersetzung um die komplexen Querverbindungen zwischen Bild und Text , die das Medium „Album“ häufig auszeichnen.

  • John P. Jacob (Hg.): Kodak Girl. From the Martha Cooper Collection. Essays von Alison Nordström und Nancy M. West, Göttingen: Steidl, 2012, 328 S., 26 x 22 cm, zahlreiche Abb. in Farbe, gebunden, 68 Euro.

Seit über drei Jahrzehnten sammelt die New Yorker Fotografin Martha Cooper Motive, die Frauen mit Kamera zeigen. Kein Wunder, dass sie bei diesem Sammelthema recht bald in die weit verzweigte Bildwelt der Kodak-Werbung eintauchte, die seit der Jahrhundertwende ihre Produkte mit Plakat- und Anzeigensujets fotografierender Frauen bewarb – obwohl oder gerade weil der Großteil der Kunden Männer waren. Der Kurator und Publizist John P. Jacob hat nun aus dieser Sammlung einen opulenten Bildband gemacht. Die Chance, das Thema in fundierter Weise kultur- und fotohistorische aufzuarbeiten, hat er leider vergeben. Der einleitende Essay und die beiden begleitenden Texte leisten tragen nicht viel zur fundierten Erschließung und Deutung dieses Bestandes bei.

  • Ulrich Hägle: Kleinfeldt. Fotografien 1920–2010, Tübingen: attempto Verlag, 2012, 192 S., 22 x 22 cm, 247 Abb. in Farbe und S/W, kartoniert, 24,80 Euro.

Der Band stellt ein regional bedeutendes Fotoarchiv vor. Der Tübinger Fotograf Walter Kleinfeldt, geb. 1899, gründete in den 1920er Jahren ein Fotogeschäft, das inzwischen in der dritten Generation geführt wird. Der Medien- und Fotohistoriker Ulrich Hägele hat den umfassenden Bestand von 50.000 Kleinbildnegativen, 1.000 Farbdiapositiven und zahlreichen graßformatigen Glasnegativen, die als Vorlagen für die Bildpostkartenproduktion dienten, gesichtet und daraus einen ansprechenden Bildband gemacht, der einen interessanten Querschnitt durch die Alltags- und Stadtgeschichte Tübingens bietet. Demnächst werden die Kriegsfotografien des Firmengründers Walter Kleinfeldt, die dieser zwischen 1915 und 1818 aufnahm, aufgearbeitet und ausgestellt.

  • Volker Jakob, Stephan Sagurna: Zeitenwende. Aspekte der westfälischen Fotografie im späten 19. Und frühen 20. Jahrhundert. Mit Texten von Volker Jakob, Christiane Cantauw, Stephan Sagurna und Eckhard Möller, hg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe/LWL Medienzentrum für Westfalen, Bönen: Kettler Verlag, 2012, 210 S., 28 x 26 cm, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, gebunden, 16,90 Euro.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war es für regional tätige Fotografen durchaus möglich, Alltag und Lebensbedingungen einer kleinen Stadt oder einer überschaubaren Region in (fast) all ihren Aspekten festzuhalten. Danach begann sich dieser Anspruch, das Ganze zu zeigen, aufzulösen. Wenn wir die Fotos aus dem Archiv von Johann Hermann Jäger und seiner Söhne überblicken, die seit 1884 über ein Jahrhundert lang Leben und Alltag im ländlich-kleinbürgerlichen Raum Westfalens dokumentierten, verfestigt sich der Eindruck einer geschlossenen Welt. Das Archiv des Harsewinkeler Fotostudios, das über vier Generationen geführt wurde, erzählt Lokal- und Regionalgeschichte und gibt zugleich beispielhaft Einblick in die Arbeit eines traditionsreichen Ateliers.

  • Lioba Meyer (Hg.): Das Gedächtnis der Stadt. Fotografiegeschichte in Oldenburg. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg, 15. September bis 25. November 2012. Mit Beträgen von Rolf Ahlers, Kurt Dröge, Robert Geipel, Detelf Hoffmann, Lioba Meyer, Wolf-Dietrich Raabe, Maren Ulrich und Andreas von Seggern, Oldenburg: Isensee Verlag, 2012, 204 S., 23,5 x 21 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, kartoniert, 19,90 Euro.

In seinem einleitenden Beitrag untersucht Detelf Hoffmann die Rolle der Fotografie als Erinnerungsmedium einer Stadt. An Hand einer Auswahl von Aufnahmen aus der Stadt Oldenburg wird die Dokumentation langlebiger „Säulen der Erinnerung“ (Gebäude, Straßenzüge etc.) und kurzlebiger Ereignisse (Momente, Ereignisse, Menschen) unterschieden. Zwischen diesen beiden Polen der „long durée“ und der Ereignisgeschichte pendeln auch die Untersuchungen des vorliegenden Kataloges. Die Fotografiegeschichte einer einzelnen Stadt wird in durchwegs fundierten, gesellschaftsgeschichtlich orientierten Aufsätzen rekonstruiert.

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