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BÜCHER, KURZ VORGESTELLT

Erschienen in: Fotogeschichte 129, 2013

  • Michael Hering (Hg.): Wols Photograph. Der gerettete Blick. Mit Texten von Michael Hering, Nina Schleif und Claudia Schnitzer. Ausstellungskatalog, Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Kupferstichkabinett, Martin-Gropius-Bau Berlin, Musèe d’Art moderne de la Ville de Paris, Ostfildern: Hatje Cantz, 2013, 448 S., 30,7 x 23,8 cm, 802 Abb. in Duotone und Farbe, gebunden, 68 Euro.

Als Maler, Grafiker und Zeichner ist Wols (1913–1951) seit Jahrzehnten gut bekannt. Als Fotograf hingegen ist er – trotz vereinzelter Ausstellungen seit den 1980er Jahren – nach wie vor eine Entdeckung. 1932 zog Wols (eigentlich Alfred Otto Wolfgang Schulze) von Dresden nach Paris, wo er bis 1939, also in einigen wenigen Jahren, ein umfangreiches und überaus faszinierendes fotografische Werk (u.a. Porträts, Modeaufnahmen, Stadt- und Sachfotos) schuf. Der Katalog ist die bisher genaueste Bestandsaufnahme des fotografischen Werkes des Künstlers. Sie schöpft v.a. aus dem Nachlass von dessen Schwester Elfriede Schulze-Battmann, das ab 1982 als Schenkung ins Kupferstich-Kabinett Dresden kam. Hier wird heute der weltweit umfangreichste Wols-Fotobestand aufbewahrt.

  • James Crump: Walker Evans. Decade by Decade. Ausstellungskatalog Cincinatti  Art Museum, SK Stiftung Kultur, Oberösterreichisches Landesmuseum, Ostfildern: Hatje Cantz, 2012, 287 S., 28,6 x 25,9 cm, zahlreiche Abb. in Duotone und Farbe, gebunden, 49,90 Euro.

Walker Evans (1903–1975) gilt als der einflussreichste amerikanische Fotograf des 20. Jahrhunderts. Bekannt geworden sind v.a. seine Ansichten des kleinstädtischen und ländlichen Amerika, die im Rahmen seiner Tätigkeit in der „Farm Security Administration“ (FSA) entstanden. Der vorliegende Katalog erweitert das Bild auf Evans, indem er das gesamte fotografische Werk von den 1920er bis in die 1970er Jahren vorstellt. Die Abzüge stammen aus der privaten Sammlung von Clark und Joan Worswick. Neben Evans’ FSA-Aufnahmen werden auch seine frühen Architekturfotografien aus New York und Neuengland, seine Reisebilder aus Tahiti (1932), seine musealen Sachaufnahmen (1935), seine Porträts, Interieurs und späteren Stadt- und Landschaftsaufnahmen sowie seine Polaroids präsentiert.

  • Kathrin Yacavone: Benjamin, Barthes and the Singularity of Photography, London: Continuumbooks, 2012, 247 S., 22,5 x 15 cm, Abb. in S/W, gebunden, 64 Euro.

 Die Publikation, die aus einer Dissertation am Institute of Advanced Studies in the Humanities an der University of Edinburgh hervorging, untersucht zwei der einflussreichsten fototheoretischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Die Autorin erhebt in ihrer gut lesbaren und fundierten Studie den Anspruch, die beiden Positionen theoretisch aber auch rezeptionsgeschichtlich zu verbinden. Sie untersucht ausführlich die Entstehungsgeschichte und den zeitgenössische Kontext der Werke. Zugleich relativiert sie auch einige weit verbreitete Annahmen: dass nämlich Barthes Theorie der Fotografie, wie sie in der hellen Kammer formuliert ist, eine stark subjektive Annäherung an das Medium darstelle. Benjamin hingegen habe stärker als man das bisher wahrhaben wollte auch persönliche Faktoren in die Nähe der Fotografie geführt. Ein ausgezeichnetes Literaturverzeichnis ist eine gute Ausgangsbasis für weitere Recherchen.

  • Stefanie Odenthal (Hg.): Arvid Gutschow. Bedeutend und fast vergessen, Katalog zur Ausstellung „Arvid Gutschow – Alfred Erhardt. Artverwandte“ in der Alfred Erhardt Stiftung, Berlin, 12. Januar bis 17. März 2013 und zur Ausstellung „Arvid Gutschow. Bedeutend und fast vergessen“, Richard-Haizmann-Museum, Niebüll, 5. Mai bis 9. Juni 2013, Ostfildern: Hatje Cantz, 2013, 126 S., 27,5 x 20 cm, gebunden, 35 Euro.

In den 1930er Jahren war Arvid Gutschow (1900–1984), ein aus Hamburg stammender Amateurfotograf, der in seinem Hauptberuf als Beamter tätig war, als Autor des Fotobuchs See, Sand Sonne durchaus bekannt. Seine Landschaftsstudien, Stillleben, Architektur- und Objektfotos, die er seit den späten 1920er Jahren machte, lassen den Einfluss der modernen Fotografie (v.a. der Neuen Sachlichkeit) erkennen. Nach 1933 diente sich Gutschow dem NS-Regime an, machte im Staatsdienst Karriere und konnte auch nach 1945 seine Berufslaufbahn praktisch ungehindert fortsetzen. 1956 entstanden seine letzten Fotos.

  • Christine Brocks: Bildquellen der Neuzeit, Paderborn: Schöningh Verlag, 2012, 171 S., 21,5 x 15 cm, Abb. in S/W, kartoniert, 16,99 Euro.

Eine knappe Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten mit Bildern. Die Autorin stellt die wichtigsten Bildgattungen der Neuzeit, u.a. Plakate, Karikaturen, Fotos (auch Zeitungs- und Zeitschriftenbilder), Postkarten, Film und Fernsehen vor und gibt konkrete, beispielbezogene Anleitungen, wie diese Quellen historisch gelesen und interpretiert werden können. Der Kürze der Darstellung geschuldet ist die recht knappe Präsentation der einzelnen Mediengattungen. Als Einführungstext für die universitäre Ausbildung ist der Band aber gut geeignet. Eine umfangreiche Bibliografie lädt zum Weiterlesen ein.

  • Daniel H. Magilow: The Photography of Crisis. The Photo Essay of Weimar Germany, Philadelphia: Pennsylvania University Press, 2012, 186 S., 25,3 x 17,5 cm, zahlreiche Abb. in S/W, gebunden mit Schutzumschlag, 65 Dollar.

Daniel H. Magilow, der als Associate Professor an der University of Tennessee, Knoxville Germanistik unterrichtet, legt mit der vorliegenden Publikation eine theoretisch fundierte, gut geschriebene Studie über die Veränderungen der Bild-Text-Beziehungen in der Medienwelt der deutschen Zwischenkriegszeit ( bis 1933) vor. Er untersucht sowohl ausgewählte Fotoreportagen in Zeitungen und Zeitschriften als auch Fotobücher. Als Brücke zwischen beiden Mediengattungen wird der Begriff „Photo Essay“ verwendet, der einigermaßen gedehnt werden muss, um so unterschiedliche Bilderzählungen wie eine Reportage in der Münchner Illustrierten Presse und Sanders Antlitz der Zeit unter einen Hut zu bringen.

  • Stiftung Topographie des Terrors (Hg.): Zwischen den Zeilen. Zeitungspresse als NS-Machtinstrument. Mit Texten von Judith Prokasky, Peter Longerich, Clemens Zimmermann und Bernd Gäbler, Berlin: Stiftung Topographie des Terrors, 2013, 167 S., 26 x 22 cm, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, kartoniert, 14 Euro.

Es ist drei Jahrzehnte her, seit unter Leitung von Diethart Kerbs, Walter Uka und Brigitte Walz-Richter eine wegweisende Ausstellung und ein Katalog zur „Gleichschaltung der Bilder. Pressefotografie 1930–1936“ konzipiert wurde. Man hätte sich erwartet, dass diese Forschungen im vorliegenden Ausstellungs- und Katalogprojekt aufgegriffen und weitergeführt werden. Die illustrierte Presse kommt freilich nur am Rande vor, der Schwerpunkt liegt in der textbasierten Tages- und Wochenpresse, die durchaus unter neuem Blickwinkel gesehen wird. Die NS-Presse ist demnach nicht nur durch Zensur und Presselenkung geprägt, sondern auch durch Nischenbildung, scheinbare Pluralität und eine „Veralltäglichung“ der NS-Ideologie.

  • Stefanie Loh: Foto-Tagebücher. Performative Aufzeichnung als Strategie, Oberhausen: Athena Verlag, 2012, 215 S., 23,5 x 15,8 cm, zahlreiche Abb. in S/W und Farbe, Paperback, 24,50 Euro

Das Buch, das aus einer Dissertation am Institut für Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Duisburg-Essen hervorgegangen ist, beschäftigt sich mit fotokünstlerischen Arbeiten seit den 1970er Jahren, die sich des Mediums Tagebuch (oder zumindest tagebuchartiger Strategien) bedienen. Die Auswahl der untersuchten Künstlerpositionen reicht von Frank Horvat, Raymond Depardon, Seiichi Furuya, Nobuyoshi Araki, Elina Brotherus, Sophie Calle bis hin zu Aude Monier. Unter die Lupe genommen werden unterschiedlichste Formen der Präsentation: klassische Künstlerbücher ebenso wie Installationen oder Fotoblogs, denen im abschließenden Teil der Arbeit ein größerer Abschnitt gewidmet ist. Schade, dass die Abbildungen durchwegs zu klein geraten sind.

  • Peter Geimer: Derrida ist nicht zu Hause. Begegnungen mit Abwesenden, Hamburg: Philo Fine Arts, 2013, 256 S., 16,6 x 14,4 cm, Abb. in S/W, gebunden, 20 Euro.

Die gesammelten Aufsätze kreisen um bekannte Figuren des Geisteslebens oder der Kunst: Einstein, Derrida, Heidegger, Barthes etc. In einigen der Texte geht Geimer den dinglichen Spuren, die die Stars aus Wissenschaft und Kunst (vermeintlicherweise) hinterlassen haben nach. Er erzählt auf diese Weise eine höchst spannende Geschichte ihrer erinnerten Vergegenwärtigung. Im Nachwort gesteht der Schriftsteller Marcel Beyer, dass er den Recherchen des Autors stets „mit größtem Amüsement“ folge. Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmem. Dieses Buch vereint eine neugierige Wissenschaftsgeschichte mit dem Vergnügen guter Essayistik.

  • Monika Faber (Hg.): Rudolf Koppitz – Photogenie 1884–1936, Wien: Brandstätter Verlag, 2013, 211 S., 29,5 x 24 cm, zahlreiche Abb. in Farbe und S/W, gebunden, 39,90.

Rudolf Koppitz war einer der einflussreichsten österreichischen Fotografen des 20. Jahrhunderts, der bereits vielfach ausgestellt wurde (1995 widmete ihm das Historische Museum der Stadt Wien eine monografische Schau). Koppitz war ein fotografischer Multifunktionär: Er war einer der wichtigsten Fotolehrer an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt, ein vielbeachteter Aussteller (und Ausstellungsjuror) am internationalen Parkett. Als Fotograf war er ein früher Anhänger des Piktorialismus, der die moderne Fotografie nur ganz am Rande streifte, bevor der in den 1930er Jahren zum Hauptvertreter der österreichischen Heimatfotografie mutierte. 1936, kurz vor seinem Tod richtete ihm der austrofaschistische „Ständestaat“ unter dem Titel „Land und Leute“ eine großangelegte Ausstellung aus. In der NS-Zeit wurden seine erdverbundenen Motive gerne reproduziert.

  • Nora Mathys, Walter Leimgruber, Andrea Voellmin (Hg.): Über den Wert der Fotografie. Zu wissenschaftlichen Kriterien für die Bewahrung von Fotosammlungen, Baden: hier + jetzt Verlag, 2013. Mit Beiträgen (dt./franz.) von Andrea Voellmin, Walter Leimgruber, Nora Mathys, Marie Beutter-Panhard, Elodie Texier-Boulte, Andreas Ritter, Peter Pfrunder, Jean-Marc Yersin, Jens Jäger, Delphine Desveaux, Olivier Lugon, Rudolf Gschwind, Carole Sandrin, Bernd Weise, Gilbert Coutaz und Markus Schürpf, 158 S., 24 x 16,5 cm, Abb. in S/W und Farbe, 39 SFr, 30 Euro.

 Die Publikation fasst die Ergebnisse einer Tagung zusammen, die am 23. und 23. März 2012 in Aarau (Schweiz) stattfand. Die Veranstaltung stand in Zusammenhang mit der Übernahme des analogen Bildarchivs des Schweizer Pressebildarchivs Ringier durch das Staatsarchiv Aargau, die im Jahr 2009 erfolgt war. Wie sollten und konnten die ca. 7 Millionen Bilder, die mit einem Schlag ins Archiv kamen, gesichert, aufgearbeitet und präsentiert werden? Das war eine der vielen Fragen, die von Schweizer und internationalen Fachleuten diskutiert wurde.

 

 

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