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Robert Haas: Die Fotografinnen Käthe Serog und Alix Roth, Wien 1935

Das 15. Jahr – Einige Anmerkungen in eigener Sache

Erschienen in: Fotogeschichte, Heft 135, 2015

Mit diesem Heft beginnt die Zeitschrift Fotogeschichte ihren 15. Jahrgang unter meiner Herausgeberschaft. Anfang 2001 habe ich diese Aufgabe von Timm Starl, dem Gründungsherausgeber, übernommen. Es ist ein Zufall, trifft sich aber gut, dass das vorliegende Heft die Fotografie in Wien zum Thema hat, jener Stadt, in der die Redaktion nun seit vielen Jahren ihren Sitz hat. Ich will den Anlass nutzen, um ein wenig zurück zu blicken und Resümee zu ziehen.

Als ich meine Arbeit begann, hatte das digitale Zeitalter eben erst begonnen, soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter (beide 2004 gegründet) oder Internetplattformen für Bilder wie Instagram und Pinterest (seit 2010 bzw. 2012) waren noch unbekannt. Die globale digitale Vernetzung, die rasante Zirkulation der Bilder um den Globus steckte noch in den Kinderschuhen. In den frühen Jahren des neuen Jahrtausends wurde ein Teil der Bildvorlagen noch in analoger Form per Post an die Redaktion geschickt. Diese Zeiten sind inzwischen Geschichte. Längst werden die Bilder nicht mehr per Post, sondern vor allem über email und diverse Cloud-Dienste übertragen. Briefe von Autoren bekomme ich praktisch keine mehr.

Die Welt hat sich in den Jahren seit der Jahrtausendwende deutlich verändert. Das hat auch Auswirkungen auf die Arbeit für eine kleine Wissenschaftszeitschrift, wie sie die Fotogeschichte ist. Die Menge an frei im Netz verfügbaren Informationen und Texten hat rasant zugenommen. Das Internet ist aber auch eine wichtige Plattform für die Präsentation und Verbreitung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen geworden. Viele Fotosammlungen haben inzwischen ihre Bestände in Onlinedatenbanken zugänglich gemacht. Kommerzielle Bildanbieter (etwa Fotoagenturen) vertreiben ihre Bilder ausschließlich übers Netz. Die Verbreitung von Fotos über die sozialen Netze ist rasant gestiegen. All das hat die wissenschaftliche Arbeit zu und mit Fotografien verändert. Und dennoch: Das Internet hat das viel langsamere Medium Zeitschrift nicht obsolet gemacht. Gerade in Zeiten, in denen Fotos in großen Mengen und kaum kommentiert zirkulieren, ist, so meine ich, die bewusste Verlangsamung der Bildbetrachtung sowie die fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Fotografen und Sammlungen wichtiger denn je.

Aber auch in anderer Hinsicht haben sich größere Entwicklungen globalen Entwicklungen auf die Zeitschrift niedergeschlagen. In den letzten Jahren sind, infolge der Wirtschaftskrise, aber auch der spürbaren Sparpolitik öffentlicher Einrichtungen, die Ankaufsbudgets von Universitäten, Forschungseinrichtungen, Bibliotheken und Büchereien kleiner geworden. Einige Abos wurden gekündigt. Dennoch ist es der Fotogeschichte gelungen, sich in dem unruhiger werdenden Feld erfolgreich zu behaupten. Während andere deutschsprachige Wissenschaftszeitschriften in den letzten Jahren deutliche Rückgänge ihrer Auflagen hinnehmen musste, konnte die Fotogeschichte ihre Verbreitung von Jahr zu Jahr steigern. Ich gebe zu: Am Beginn meiner Arbeit hatte ich mir noch viel deutlichere Zuwächse erhofft und habe im Laufe der Jahre gesehen, wie schwierig es ist, mit einem geringen Werbebudget neue Abonnenten zu gewinnen.

Dank des Internet ist die Fotogeschichte sichtbarer geworden, auch für jene, die die Zeitschrift nicht regelmäßig lesen. Seit 2001 ist die Fotogeschichte mit einer eigenen Seite im Netz vertreten. Das Angebot im Internet wurde in den letzten Jahren nach und nach ausgebaut. Inzwischen ist das gesamte Archiv der Zeitschrift bequem im Netz – u.a. über eine umfassende Themen- und Stichwortsuche – recherchierbar. Seit einigen Jahren sind alle Rezensionen und Forschungsberichte als Volltext im Netz zugänglich. Alle Beiträge, auch jene aus vergriffenen Heften, sind inzwischen einzeln als PDF bestellbar. All diese Neuerungen und Dienstleistungen wären ohne die langjährige ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Grafiker und Webdesigner Michael Shorny nicht möglich gewesen. Vielen Dank dafür!

Ein Markenzeichen der Fotogeschichte ist seit ihrer Gründung ihr hoher wissenschaftlicher Anspruch. Dieser kann auf unterschiedliche Weise eingelöst werden. Soll eine fotohistorische Fachzeitschrift rasch auf aktuelle Debatten reagieren oder soll sie fundierte, thematisch gebündelte Beiträge bringen? Ich habe mich in den letzten Jahren für letzteres Modell entschieden. Gemischte Hefte erscheinen daher nur mehr ganz selten. Die Vorbereitung thematisch orientierter Heften erfordert natürlich eine längere Vorlaufzeit, hat aber den Vorteil, die Themen umfassender beleuchten zu können. Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass die Leserinnen und Leser ein starkes Interesse an Themenheften haben. Oft werden diese noch Jahre nach dem Erscheinen nachbestellt. Diese Weichenstellung hat, glaube ich, beigetragen, das wissenschaftliche Profil der Zeitschrift zu schärfen. Der Rezensionsteil und die Rubrik Forschungsberichte bieten genug Offenheit und Flexibilität, um auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.

Die Zeitschrift hat sich in den letzten Jahren schwerpunktmäßig auf die deutschsprachige und europäische Fotografie und Fotodebatte konzentriert, allerdings mit regelmäßigen Ausflügen in außereuropäische Regionen. Dieses Profil möchte ich auch in Zukunft beibehalten. Und auch die große thematische Bandbreite will ich weiterführen. In den letzten eineinhalb Jahrzehnten wurden in der Fotogeschichte zahlreiche Aspekte der Fotografie diskutiert und dargestellt, die Kultur der Arbeiterfotografie ebenso wie fototheoretische Aspekte (etwa Hefte zu Roland Barthes, Susan Sontag), das Lachen in der Fotografie genauso wie die stereoskopische Fotografie, die vielfältigen Querverbindungen zu Theater, Film und anderen Medien, die Rolle der Fotografie in der Darstellung der Architektur, die Geschichte des Fotobuchs, Postkarten und Landschaftsfotografie, Kriegsfotografie und Avantgarde, Landschaftsfotografie und Gewaltdarstellungen in Bildern, um nur einige Themen zu nennen. Dieses Spektrum an Themen zeigt, dass die Fotogeschichte bewusst einen sehr breiten, aber keineswegs beliebigen Begriff des Fotografischen verfolgt. Als Herausgeber ist mir wichtig, dass die Fotografie nicht allein als ästhetisches Phänomen gesehen wird, das vornehmlich im Kunstbereich verankert ist, sondern dass auch die vielfältigen nicht- und semikünstlerischen Aspekte der Fotografie, von ihren populärkulturellen Ausformungen bis hin zur wissenschaftlichen Verwendung, in den Blick genommen werden. Auch in Zukunft wird es also Themenhefte geben, die bisher wenig beleuchtete Facetten des Fotografischen behandeln.

Das Projekt Fotogeschichte gäbe es ohne das wunderbare Team des Jonas Verlags, der nun schon seit vielen, vielen Jahren eine verlässliche Heimstatt für die Zeitschrift ist, nicht. Dieter Mayer-Gürr, der Verleger, hat immer an die Zeitschrift geglaubt, ihr alle möglichen Freiheiten eingeräumt und sie nach Kräften unterstützt. Zusammen mit dem Jonas-Stammteam in Marburg (Kathrin Brömse, Almut Bick und Simone Tavenrath) hat er dafür gesorgt, dass die Fotogeschichte stets einen wichtigen Platz im Verlagsprogramm hatte und immer noch hat. Vielen herzlichen Dank!

In enger Zusammenarbeit mit dem Jonas Verlag wurde 2007 die grafische Gestaltung der Zeitschrift behutsam modernisiert, um die Bilder und Texte besser zur Geltung zu bringen und die Orientierung zu erleichtern. In der Phase der grafischen Neugestaltung spielte die Neugierde und Fachkenntnis von Simone Tavenrath eine wichtige Rolle. Sie hat unter großem Aufwand Ideen für die neue grafische Linie gesammelt und diese dann souverän umgesetzt.

Seit 2001 sind insgesamt 56 Hefte erschienen oder in trockenen Zahlen ausgedrückt: 4.480 Seiten Fotografiegeschichte. Ohne die große Zahl an Autorinnen und Autoren, aber auch ohne die engagierten Gastherausgeber/innen wäre dieses beeindruckende Werk in Fortsetzungen nie zustande gekommen. Dafür möchte ich mich bei Ihnen allen, die Sie Beiträge, Rezensionen und Forschungsberichte verfasst haben oder ganze Hefte betreut haben, ganz herzlich bedanken. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, die Zeitschrift als wichtige Plattform in der deutschsprachigen Fotogeschichtsszene zu verankern.

Last but not least wende ich mich abschließend direkt an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Sie bilden das eigentliche Rückgrat dieser Zeitschrift, indem sie diese regelmäßig (oder unregelmäßig) lesen, sie abonnieren oder verschenken, darüber reden (vielleicht auch über einzelne Texte streiten) und sie hoffentlich weiterempfehlen. Bleiben sie uns bitte weiterhin treu!

Anton Holzer (Herausgeber)

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