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Joao Arthur Ciciliato Franzolin

„Der ganzen Nation soll die Aufgabe und die Arbeit unserer Wehrmacht immer nähergebracht werden“

Die Geschichte der Zeitschrift Die Wehrmacht (1936–1944)

Dissertation, Europa-Universität Flensburg, Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik, Prof. Dr. Gerhard Paul, Beginn: April 2014. Finanzierung: Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD). Kontaktadresse: joaoarthurfranz(at)gmail.com

Erschienen in: Fotogeschichte, Heft 138, 2015

Die Dissertation untersucht erstmals die Geschichte der Propagandazeitschrift Die Wehrmacht (1936–1944). Diese spielte in der nationalsozialistischen Öffentlichkeit eine wichtige Rolle, denn sie wurde, ebenso wie die Zeitschriften Signal, Erika und Der Adler, als Medium verwendet, Zivilisten und Soldaten im Sinne der NS-Ideologie zu instrumentalisieren. Die Forschungsarbeit bedient sich qualitativer Methoden. Gearbeitet wird mit einem Korpus von insgesamt etwa 400 Zeitschriften, diese umfassen die normale Ausgabe, die Sondernummern und die sogenannte Ausgabe A, die Ausgabe für das Ausland. Alle Ausgaben werden kritisch gelesen und im historischen Kontext ausführlich untersucht.

Im ersten Teil der Arbeit wird das Panorama der Illustrierten in Deutschland und im Ausland während der 1930er- und 1940er-Jahre skizziert und die Zeitschrift Die Wehrmacht in der publizistischen Landschaft des Nationalsozialismus verortet. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Weg der Mitarbeiter der Redaktion (den wichtigsten Fotografen, Autoren, Zeichnern u. a.) und insbesondere der Gestalter – dem Journalisten Bernd Overhues und dem General der Infanterie, Joachim von Stülpnagel. Ebenso untersucht wird in diesem Abschnitt die Publikationsmaterialität, d. h. die Frage, welche materiellen Aspekte (Layout, Auflagen, Inlands- und Auslandsausgaben, Seitenvariationen, Werbung) benutzt wurden, um die Leserschaft zu beeinflussen. Das dritte Kapitel fokussiert auf die inhaltlichen Aspekte der Zeitschrift vor und während des Krieges, mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsberichterstattung im Zweiten Weltkrieg. Die zentrale Frage dieses Teils der Dissertation ist: Wie wurden die Vorbereitung und der Verlauf des Krieges durch Zeichnungen, Texte, Karten, Fotos und Karikaturen in den Ausgaben der Zeitschrift dargestellt? In einem Exkurs werden die Nachkriegskarrieren der Mitarbeiter analysiert. Unter anderem soll die Frage beantwortet werden, ob und in welchem Bereich sie wieder in der Bundesrepublik und in der DDR publizistisch tätig waren.

Der Autor folgt dem Propagandabegriff, wie ihn Thymian Bussemer formuliert hat. Demnach ist die Aufgabe der Propaganda die Überzeugung der Rezipienten mithilfe einer „symbolisch aufgeladenen und ideologiegeprägten (Bild-) Sprache, welche die Wirklichkeit verzerrt, da sie entweder Informationen falsch vermittelt oder ganz unterschlägt.“[1] Langfristig manipuliert die Propaganda den gesamten Wahrnehmungsraum der Empfänger, was genau den Absichten der Wehrmachtpropagandisten entsprach. Der Autor arbeitet auch mit den Forschungsfragen, die Rainer Rutz in seiner Analyse der NS-Auslandszeitschrift Signal verwendet hat.[2] Demnach soll nicht nur der Inhalt (Themen der Berichterstattung, Aspekte der Materialität der Publikation) der Zeitschrift präzisiert werden, sondern auch ihre publizistische Umgebung untersucht werden. Dafür plädieren auch die brasilianischen Historikerinnen Tânia Regina de Luca und Ana Luiza Martins. Eine Zeitschrift oder Zeitung ist ein Kollektivprojekt. Daher ist es u. a. notwendig, die Mitarbeiter und die redaktionelle Linie einer Publikation zu identifizieren, ihre Materialität (z. B. Layout und Herstellungsverfahren) und die Auswahl des Titels des Periodikums zu analysieren.[3] In die gleiche Richtung weist Ana Luiza Martins, die die Zeitschriften als eine besondere Quelle für die Geschichtsschreibung hervorhebt.[4] 


[1] Thymian Bussemer: Propaganda. Theoretisches Konzept und geschichtliche Bedeutung. Version 1.0. in: Docupedia-Zeitgeschichte, 2.8.2013. Mehr hierzu: docupedia.de/zg/Propaganda.

[2] Rainer Rutz: Signal. Eine deutsche Auslandsillustrierte als Propagandainstrument im Zweiten Weltkrieg, Essen 2007, S. 18–24.

[3] Tânia Regina de Luca: História dos, nos e por meio dos periódicos. in: Carla Bassanezi Pinsky (Hg.): Fontes Históricas. São Paulo 2005, S. 132 und S. 140.

[4] Ana Luiza Martins: Da fantasia à História: folheando páginas revisteiras. in: História, 21. Jg., Heft 22, 2003, S. 59–79, S. 60–61.

 

 

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