
Rita Ostrovska: „Die Vögel fliegen davon“, aus der Serie „Juden in der Ukraine“, 13 x 13 cm, Berdytschiw 1991
Forschungs-, Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt: Zeitkapsel und digitaler Raum. Das Archiv der Fotografin Rita Ostrovska. Projektförderung: Der Transferteil des Projekts wird gefördert durch das Leibniz-Lab Umbrüche und Transformationen. Die von Anna Zavialova vorgenommenen Transkriptionen der von Rita Ostrovska geführten Interviews fördert die S. Fischer-Stiftung. Projektpartner: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg – Leibniz-Forschungsmuseum für Kulturgeschichte und Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow. Projektbeginn: 2025. Kontakt: s.brogi(at)gnm.de und roos(at)dubnow.de
Erschienen in: Fotogeschichte, Heft 181, 2026
Zeichen am Himmel
Ein Vogelschwarm über dem Dachfirst eines klassizistischen Gebäudes: winzige Zeichen, verteilt über die Fläche eines trüben Himmels ohne Tiefe. Ein Aufsteigen und Ausschwärmen in alle Richtungen. In ihrer Symbolhaftigkeit weist dieses Bild ins Gravitationszentrum des fotografischen Werks der 1953 in Kiew geborenen Künstlerin Rita Ostrovska. Entstanden unmittelbar während des Zerfalls des Ostblocks wird der lichtgraue Himmel über dem ukrainischen Städtchen Berdytschiw, 200 Kilometer südwestlich von Kiew gelegen, zum Spiegel einer gesellschaftlichen Schwellenerfahrung, die Rita Ostrovska am eigenen Leibe erlebte: Mit dem Ende der Sowjetunion verließen fast drei Millionen Jüdinnen:Juden ihre Heimat und emigrierten in alle Welt, mehrheitlich nach Israel und in die USA. Bis dahin war für viele von ihnen ihr Bezugspunkt zur eigenen Herkunft die im sowjetischen Pass eingetragene Nationalität „jüdisch“; eine tiefere Auseinandersetzung mit jüdischer Religion, Geschichte und Kultur konnte indes nur in kleinen, eher inoffiziellen Seminaren und Zirkeln erfolgen.[1]
Rita Ostrovska selbst gehörte zu den rund 220.000 Personen, vorwiegend aus der Ukraine, die über das ‚Kontingentflüchtlingsgesetz‘ Aufnahme im wiedervereinigten Deutschland fanden.[2] In den Jahren vor ihrer eigenen Emigration 2001 nach Kassel hatte sie zahlreiche Reisen zu im Südwesten der Ukraine gelegenen Schtetl unternommen, einst lebendige Orte jüdischen Lebens. Entstanden war diese traditionelle jüdische Siedlungsform bereits im Mittelalter: Bedingt durch Pogrome und Ausweisungen, unter anderem während der Pestepidemie 1348/49, wanderten Jüdinnen:Juden ins östliche Europa aus.
Trotz Gewalt, Krieg und Pogromen existierte dieser besondere jüdische Kulturraum bis zum Zweiten Weltkrieg. Die Deutschen und ihre Kollaborateure ermordeten nahezu all jene Jüdinnen:Juden, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. Doch auch im Holocaust wurde das jüdische Leben in der Region nicht vollständig zerstört: Insbesondere in den Städten der Ukraine, die von 1941 bis 1944 im rumänisch besetzten ‚Gouvernement Transnistrien‘ lagen, konnte ein etwas größerer Teil der jüdischen Bevölkerung den Holocaust überleben; viele von ihnen waren aus der Bukowina oder Bessarabien dorthin deportiert worden.[3]
In diesem kleinen Gebiet gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg jenes traditionelle jüdische Leben, das Rita Ostrovska Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre mit der Kamera festhielt – trotz des Antisemitismus, der in der Sowjetunion zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Formen angenommen hatte.[4] Weil sich dies eher im Verborgenen ereignete und für Ortsfremde auf Anhieb oftmals nicht zu erkennen war, erscheint Rita Ostrovska, die unzählige Fotografien anfertigte, als Pionierin, deren künstlerisches Vorhaben sich mit einem Oral History-Ansatz verknüpfte.[5]
Ihre von der Kamera begleiteten Fahrten in den Raum, insbesondere die Region zwischen dem Dnister und dem Südlichen Bug, wurden somit gleichsam zu Reisen in die Zeit, die sie Schicht um Schicht in persönlichen Gesprächen freizulegen begann. Sukzessiv gewann sie das Vertrauen, was insbesondere bei älteren Menschen, nach Jahrzehnten sowjetischer Diktatur, nicht selbstverständlich war.[6] Rita Ostrovska entdeckte Orte wie das bis heute weitgehend vergessene Todeslager Pechora, am Südlichen Bug gelegen, von denen sie erfahren musste, dass dort während der Besatzung Tausende Jüdinnen:Juden durch Hunger, Krankheit und Kälte starben. Sie fotografierte jüdische Friedhöfe und Synagogen, die im Zweiten Weltkrieg oder in der Sowjetunion ihren ursprünglichen Bestimmungen gewaltsam entfremdet worden waren, sowie jenes trotz aller Repressalien praktizierte jüdische Leben: das Backen von Mazzen, die Feierlichkeiten an Schabbat, die Sonntagsschule für jüdische Kinder.
Ihre Reisen wurden zugleich zu Reisen in die eigene Geschichte, angetrieben durch den Wunsch herauszufinden, was die im Paragraph 5 ihres Passes festgehaltene Kennzeichnung „jüdisch“ für sie und ihre Angehörigen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft bedeuten. Denn bis zu ihren Schtetl-Fahrten empfand sie das Judentum als etwas, das es nicht offen zu kommunizieren galt, erschwerte die jüdische Herkunft doch das Leben in der Sowjetunion.[7] So entstand ein Bild, einzigartig und komplex, das seinesgleichen sucht und sich archivseitig in unzähligen Fotografien, Interviews, und Reisenotizen zeigt – eine Collage, gleichermaßen individuell und privat wie verallgemeinerbar für die riesige Anzahl jüdischer Familien, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die ehemaligen Sowjetstaaten verließen, um sich in der Ferne ein neues Leben aufzubauen.
In diesem Sinne antworten Rita Ostrovskas Fotografien auf weltpolitische Umbrüche, indem sie neben den eigenen biografischen Weg- und Wendemarken einen konkreten gesellschaftlichen Erosionsprozess festhalten, der zugleich repräsentativ für zahllose migrantische Schicksale unserer von Emigration, Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und ethnischen Säuberungen geprägten Gegenwart erscheint. Im Fokus mehrerer Serien stehen Abschiede, Neuanfänge und Neuorientierungen, widergespiegelt in Porträts, Innenaufnahmen, Fensterblicken und Straßenszenen. Leitmotivisch durchziehen „Selbst-im-Spiegel“-Fotografien die Serien, Aufnahmen in ukrainischen Wohnräumen und Esszimmern stehen Aufbruchs- und Ankunftsszenarien in Deutschland, den USA und Israel gegenüber. Trotz des nicht zu leugnenden dokumentarischen Charakters bestechen die bildkünstlerische Programmatik und die persönliche Perspektive.
Beruf und Berufung
Rita Ostrovskas berufliche Anfänge liegen in zwei Metropolen der Sowjetunion: Auf ein Studium in der Technologieabteilung an der Hochschule für Kinoingenieure im damaligen Leningrad (heute St. Petersburg) folgte jenes des Fotojournalismus in ihrer Geburtsstadt Kiew. Nach ihrer Emigration studierte sie von 2003 bis 2009 an der Kunsthochschule Kassel Visuelle Kommunikation und eröffnete im darauffolgenden Jahr ihr Atelier KunstVision für Fotografie, Keramik und Grafik, das heute zugleich ein Begegnungsort für Frauen ihrer jüdischen Gemeinde ist.
Rita Ostrovskas intensive Beschäftigung mit dem Judentum und mit jüdischer Spiritualität prägt ihr Werk erkennbar und beschränkt sich nicht auf das Medium Fotografie. Auch ihre buchkünstlerische Abschlussarbeit ist dem Judentum als Buchreligion zutiefst verpflichtet; zahlreiche ihrer Werke aus Keramik beschäftigen sich unter anderem mit dem Alef-Bet und der Symbolik der hebräischen Buchstaben.
Gleichwohl sind Spuren des Experimentellen und ihrer künstlerischen Anfänge in Kreisen der Avantgarde während der Sowjetunion – etwa als Mitglied des Fotokünstler-Vereins Pogljad (Blick) – in späteren fotografischen Serien – etwa Anwesenheit oder Lebensatem – nach wie vor erkennbar. Für viele der Mitglieder von Pogljad stand damals, wie Rita Ostrovska sie nennt, die „soziale Fotografie“ im Zentrum.[8] Aus der Retrospektive sieht die damals noch säkular lebende Künstlerin insbesondere in den Aufnahmen, die sie in den Schtetl der Ukraine sowie von den emigrierten Jüdinnen:Juden in den USA, Deutschland und Israel anfertigte, eine globale Serie über das jüdische Schicksal. „Erst als ich selbst emigriert bin und unsere Tora gelernt habe, wurde mir bewusst, was ich fotografiert habe,“[9] so formulierte es Rita Ostrovska im Jahr 2021.
Buchstaben und Zeichen im Archiv
Die Ankunft Rita Ostrovskas und ihrer Familie am 11. September 2001 in einer Erstaufnahmeunterkunft in Deutschland bedeutete zugleich das Anlanden eines gewachsenen Foto-Archivs einschließlich technischer Gerätschaften, Fotopapiere und Entwickler, aber auch schriftlicher Unterlagen verschiedenster Art. Mehrheitlich auf Russisch, in kyrillischer Hand- und Druckschrift verfasst, sind die Materialien ohne Informationen der Fotografin nur schwer erschließbar, zumal Aufzeichnungen und Fotografien durch ein schriftlich nicht fixiertes individuelles Verweissystem, das im Zuge der oben erwähnten Reisen entstanden ist, untereinander verbunden sind.[10]
Aufgrund der Reputation Rita Ostrovskas, die auch darin zum Ausdruck kommt, dass zahlreiche ihrer Fotografien den Weg in namhafte Sammlungen wie das Jüdische Museum Berlin, das Folkwang Museum Essen, das San Francisco Museum of Modern Art, das Museum of Kharkiv School of Photography (MOKSOP), das Kunsthaus Zürich oder das Jewish Museum New York gefunden haben, ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Möglichkeiten einer tieferen Kontextualisierung ihrer Arbeiten künftige Forschungsfragen mit bestimmen wird. Das 1996 im Cantz Verlagerschienene Fotobuch Juden in der Ukraine, kann als erste Einordnung und Verortung dienen, beantwortet aber als künstlerisch komponierter Band bewusst nur einen Teil der sich bei der Beschäftigung mit den Fotografien einstellenden Fragen.[11] Der Buchtitel zeigt zwei Männer in der Synagoge von Berschad im Jahr 1991; ursprünglich hatte die Künstlerin die eingangs beschriebene Fotografie für das Cover vorgesehen. Dieser Umstand legt eine archivische (digitale) Sicherung der Dokumente sowie die Erschließung und Veröffentlichung von Kontextinformationen nah.
Der Wunsch diesen Vorlass zu bewahren und zugänglich zu machen, ist mit dem Beginn des vollumfänglichen Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 noch dringlicher geworden. Jene seinerzeit von Rita Ostrovska fotografierten, vom Verfall bedrohten ukrainischen Schtetl waren angesichts des Wegzugs so vieler Jüdinnen:Juden bereits um 2000 mehr als gefährdet, doch ist die Existenz von Gebäuden und Institutionen (Synagogen, Gedenkstätten, Archiven) durch das unmittelbare Kriegsgeschehen sowie durch fehlende finanzielle und personelle Ressourcen noch in anderer Hinsicht fundamental bedroht. Die Notwendigkeit einer dauerhaften Bewahrung dieses Archivs hat die Frage nach einem künftigen Aufbewahrungsort aufgeworfen. Den konkreten Auslöser für ein Nachdenken über die Möglichkeiten einer institutionellen Verankerung des Archivs Rita Ostrovskas lieferte die am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI) von November 2021 bis September 2023 gezeigte Ausstellung Jüdisches Album. Fotografien von Rita Ostrovska, einer produktiven Kooperation zwischen Kunst und Geschichtswissenschaft. Eine seit 2024 bestehende Kooperation des DI mit dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (GNM) erwies sich als konstruktiv, sowohl für die Frage danach, ob ein ‚deutsches Archiv‘ nach dem Holocaust überhaupt das Vertrauen genießen kann, diesen Bestand zu beherbergen, als auch für den musealen Reflexionsprozess über den Auftrag des GNM, dessen Sammlung zunächst den ‚deutschsprachigen Kulturraum‘ abbilden soll.[12]
Als eine Folge regelmäßiger Gespräche und methodischer Überlegungen zwischen Rita Ostrovska, dem DI und dem GNM hat das Deutsche Kunstarchiv (DKA) am GNM Anfang 2025 begonnen, eine von der Künstlerin getroffene Auswahl schriftlicher Unterlagen und Fotografien sukzessive zu übernehmen.[13] Durch die folgende Archivierung, Erschließung und Verzeichnung von Dokumenten und Fotografien soll eine dauerhafte Unterbringung, Sicherung und Zugänglichkeit garantiert, durch die Digitalisierung deren Sichtbarkeit und Benutzung gefördert werden.
Zu den für die Arbeit mit den Fotografien einschlägigen, dem DKA bereits übermittelten Quellen gehören 13 Audiokassetten mit Interviews, die Rita Ostrovska auf ihren eingangs erwähnten Reisen in die ukrainischen Kleinstädte aufnahm, und die neben Gesprächen von den Porträtierten gesungene Lieder einer heute weitgehend verschwundene Welt festhalten.[14] Dieses unterdessen digitalisierte russisch-, teils aber auch ukrainisch- und jiddischsprachige Audiomaterial wird aktuell, gefördert durch die S. Fischer Stiftung, transkribiert, um der künftigen Forschung zu den Fotografien wie auch zum jüdischen Leben in der Ukraine eine bedeutende Quelle zur Verfügung zu stellen.
Archiv einer verschwundenen Welt
Das Zentrum der von Rita Ostrovska dem DKA übergebenen Quellen bilden, wie oben dargestellt, Fotografien und Dokumente, die im Zusammenhang mit ihren Reisen zu mehr als vierzig Städtchen zwischen 1989 und 2001 stehen, darunter Schargorod, Tschernewtsy, Berdytschiw, Mohyliw-Podilskyj und Berschad. Rita Ostrovska porträtierte die Orte als (ehemalige) Zentren jüdischen Lebens und als Schtetl, die von Verfall und Umbruch geprägt waren: mit ihren Sträßchen und Gebäuden, den vor den Toren liegenden Friedhöfen sowie den ihrer vormaligen Nutzung entzogenen und entfremdeten Orten praktizierter Frömmigkeit. Sie erschloss Orte der Gewalt, an die damals keine offiziellen Denkmäler oder Hinweise erinnerten. Kraft ihrer Fotografien und Recherchen wies sie diese als Gedenkorte aus, denn die offizielle sowjetische Geschichtspolitik verhinderte bis zur Perestroika vielerorts die Benennung der Spezifik des jüdischen Schicksals.
Das Herzstück ihres Archivs bilden die Porträts der Menschen: alleine oder im Familienkreis im häuslichen Umfeld, Nachbar:innen und Freund:innen vor ihren Häusern, auf öffentlichen Plätzen, in Vorbereitung des Pessachfestes, in Schulen und Synagogen. Die Gesichter der Porträtierten, deren dokumentierte Berufe in viele Richtungen weisen, sind gezeichnet von der großen Weltgeschichte, von transgenerationellen und persönlichen Erfahrungen und Traumata in der „Kernzone des ‚Jahrhunderts der Extreme‘“[15]. Mit ihren Fotografien und Interviews wurde Rita Ostrovska zur Zeitzeugin, Dokumentarin und Archivarin jenes aus heutiger Perspektive epochal zu nennenden gesellschaftlichen Umbruchs, dem sie als Künstlerin und Journalistin wie auch als Frau und Mutter begegnete – Spiegel und Spiegelung zugleich des zeithistorischen Moments eines epochalen Aufsteigens und Ausschwärmens.
-------------------
[1] Ulrike Huhn: Zwischen Ausreisebewegung und Akademie. Judaistik in der späten Sowjetunion, Göttingen 2025, S. 15–17.
[2] Dmitrij Belkin: Jüdische Kontingentflüchtlinge und Russlanddeutsche, 13.7.2017: https://www.bpb.de/themen/migration-integration/kurzdossiers/252561/juedische-kontingentfluechtlinge-und-russlanddeutsche/ (Zugriff: 26.3.2026).
[3] Bert Hoppe, Hildrun Glass: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, Bd. 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten. Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien, München 2011, S. 68 f.
[4] Jakob Stürmann: Antisemitismus in der Sowjetunion, in: dekóder.org – Russland und Belarus entschlüsseln, 14.5.2024:https://www.dekoder.org/de/gnose/antisemitismus-sowjetunion/ (Zugriff: 26.3.2026).
[5] Vgl. Huhn, (Anm. 1), S. 150 f.
[6] Rita Ostrovska: Juden in der Ukraine, Ostfildern-Ruit 1996, S. 106.
[7] Ljudmila Belkin: Das „Migrantische“: Künstlerische Positionen, in: Dmitriij Belkin, Raphael Gross (Hg.): Ausgerechnet Deutschland! Jüdisch-russische Einwanderung in die Bundesrepublik, Frankfurt 2010, S. 128–135, hier S. 132.
[8] Angelique Leszczarwski-Schwerk: Rita Ostrovskas ‚Jüdisches Album‘. Sozialdokumentarische Fotografie in der Ukraine nach 1989, in: Jüdische Geschichte & Kultur. Magazin des Dubnow-Instituts, 6, 2022, S. 32 f.
[9] Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (Hg.): Jüdisches Album. Fotografien von Rita Ostrovska, Leipzig 2021, S. 10 [Begleitbroschüre zur Ausstellung].
[10] Von der Notwendigkeit der Erschließung russischer Quellen zur jüdischen Geschichte der von Rita Ostrovska fotografierten Kulturlandschaft zeugt vielleicht an erster Stelle der Nachlass des in Czernowitz geborenen und in Paris verstorbenen Dichters Paul Celan (1920–1970). Die Überlieferung seiner Bibliothek war maßgeblich an der Begründung eines eigenen Forschungszweigs beteiligt; vgl. Christine Ivanović: „Kyrillisches, Freunde, auch das…“ Die russische Bibliothek Paul Celans im Deutschen Literaturarchiv Marbach, Marbach am Neckar 1996.
[11] Von den zahlreichen Tagungen und Publikationen, die sich mit dem Medium Fotobuch befasst haben, seien stellvertretend genannt: die von Georgiana Banita und Jörn Glasenapp vom 21. bis 23.11.2013 an der Universität Bamberg veranstaltete Tagung Schwellenraum Fotobuch: Mediengeschichte, Druckkultur, Gesellschaftsanalyse, sowie Burcu Dogramaci, Désirée Düdder, Stefanie Dufhues, Maria Schindelegger, Anna Volz (Hg.): Gedruckt und erblättert. Das Fotobuch als Medium ästhetischer Artikulation seit den 1940er Jahren, Köln 2016 sowie Manfred Heiting, Roland Jaeger (Hg.): Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945, 2 Bde., Göttingen 2012.
[12] Eine erste Wegmarke der musealen Reflexion über den künftigen Sammlungsauftrag des GNM in einer durch Migration und Flucht geprägten Gegenwart bildete 2023 die von Heike Zech kuratierte Ausstellung Horizonte, im Rahmen derer die Frage nach der Bewahrung von Zeugnissen migrantischer Biographien im Rahmen der Sammlung vorgestellt und diskutiert wurde; Heike Zech (Hg.): Horizonte. Horizons. Geschichten und Zukunft der Migration, Nürnberg 2023.
[13] Das DKA überliefert schriftliche Vor- und Nachlässe aus dem Bereich der bildenden Kunst. Manche der von Rita Ostrovska ausgewählten Dokumente und Fotografien sollen im Archiv digital bewahrt und die Originale der Künstlerin zurückgegeben werden.
[14] In den aufgezeichneten Gesprächen kommen die erschütternden Verbindungslinien zwischen dem Holocaust und den Fotografien Rita Ostrovskas konkret zum Ausdruck. Viele Schtetl-Bewohner:innen berichteten von traumatischen Erfahrungen, etwa von Deportationen und Massenhinrichtungen.
[15] Karl Schlögel: Auf der Sandbank der Zeit. Der Historiker als Chronist der Gegenwart, München 2025, S. 83.